TEXTE VON MARIA

Eine Beschreibung des Erwachens- und Befreiungsprozesses

 

Es gibt sicherlich nicht nur einen Weg, der zum Erwachen und zur Befreiung führt und auch nicht nur der eine, der richtig wäre. Wenn ich hier von einem Prozess oder Weg spreche, ist das wie folgendermassen gemeint: 

In Wirklichkeit gibt es nur diesen Augenblick, der so IST, wie er ist. Dem kann nichts hinzugefügt werden. Wir sind schon das Sein, nachdem wir uns sehnen, auch ihm kann nichts hinzugefügt werden. ES ist.

 

Es reicht allerdings nicht aus, wenn wir nur wissen, dass wir das Sein sind, es aber noch nicht realisiert haben, d. h. wenn es uns noch nicht zutiefst durchdrungen hat und wir es noch nicht wirklich sind. Denn sonst bleibt es ein mentales Konzept, das genauso vom Verstand benutzt wird wie jedes andere, um nicht in die Bewusstheit zu kommen. Aus diesem Grund ist es sogar not-wendig, dass man sich auf einen Erwachens- und Befreiungsprozess einlässt. Er ist ein lebendiger und sich ständig veränderter Vorgang, in dem verschiedene Vorgehensweisen und Übungen angewandt werden, die letztlich immer mehr zum natürlichen Da-Sein in Frieden führen. 

 

Der Prozess gleicht einer Reise, die vom Ich zurück zu unserem Sein führt. Als Säugling waren wir noch eins mit allem, aber wir waren uns dessen nicht bewusst. Dann entstand allmählich ein eigenständiges Ich, das sich immer mehr abgetrennt hat aus der Einheit. Der Glaube und das Anhaften an diese falsche Identität macht uns krank, lässt uns träumen und leiden. Nun haben wir die Gelegenheit, durch BewusstSein nach Hause zurück zu kehren in die Einheit.

 

Wenn wir aus dem Traum in die Wirklichkeit erwachen wollen und uns von der falschen Identität befreien wollen, muss dieses künstlich geschaffene

Ich-Konstrukt - im besten Falle vollständig - zerstört werden, bis NICHTS mehr übrig bleibt. 

 

Das Ich besteht zum einen aus Gedanken, zum anderen aus Gefühlen und wirkt energetisch im Körper zum Teil so stark, dass wir nicht wahrnehmen können, was wirklich ist. Die Gefühle und Emotionen verstärken unsere Gedanken, lassen sie lebendiger, wichtiger und echter erscheinen. Denn nun werden die Gedanken nicht nur gedacht, sondern auch gefühlt und als Muster ausagiert. Unser wahres Herz, das ursprünglich einfach liebt, was ist, wird zugeschüttet mit Ängsten, Widerständen und Kämpfen. Gefühle werden unterdrückt und vermieden. Der physische Körper wird immer mehr verkrampft und krank. Denn alle Meinungen, Konditionierungen und Muster setzen sich in unseren Zellen und im Nervensystem fest. Wir können nicht mehr frei und auf natürliche Weise sehen und erleben, sondern wir schauen durch unsere Muster und lassen diese re-agieren. Wir fühlen uns von den anderen manipuliert und falsch verstanden, weil wir nicht sehen können, dass sie nur unsere Meinungen und Muster widerspiegeln, die alle in uns ablaufen. Hinzu kommen Schattenanteile, die uns peinlich sind, die wir ablehnen und zum Teil gar nicht kennen, so dass sie hinter unserem Rücken ihr ganz eigenes Spiel spielen. 

 

 

Der Prozess führt dich von außen nach innen, aus dem Traum zum Erwachen, aus der Täuschung in die Wirklichkeit, aus der Zeit ins Jetzt, aus der Gefangenheit in die Freiheit, vom kleinen Ich zum Sein. Das Pseudo-Ich wird immer mehr de-montiert, bis es in sich zerfällt.

 

 

 

 

Der Befreiungsprozess ist kein Spaziergang, den man so beiläufig macht. Er dient uns auch nicht zur Unterhaltung, obwohl viele Suchende Bücher, Vorträge und Satsangs, nutzen, um sich entertainen zu lassen. Das mag wirklich eine gute Beschäftigung sein und so manches Wort kann sie auch berühren und inspirieren. 

 

Aber was machst du dann damit?

 

Es kann sein, dass die Worte schon bald wieder im Dickicht deiner vielen Konzepte und mustergetriebenen Handlungsabläufen untergegangen sind. Nichts davon konntest du dann für dich und dein Erwachen verwenden.

Es macht einen Unterschied, ob du entschlossen und bereit bist, von deinem bequemen Sofa aufzustehen, deine gewohnte Schläfrigkeit einfach mal durchbrichst und wirklich hinschaust und erforschst, was deine wahre Natur ist. Oder ob du einfach weiterhin „denkst“, es wird schon irgendwann geschehen und bis dahin muss ich halt in meinem Schicksal ausharren. 

 

Hey, wach auf aus deinem Traum!!!

Er ist nicht wahr, es ist nur ein Traum.

 

Willst du wirklich aufwachen und dich befreien?

 

Dann fühl dich hier und jetzt eingeladen! 

 

Der Prozess erfordert in jedem Moment deine klare Ausrichtung und Zustimmung, dass du dich auf ihn einlässt. Man kann sich das so vorstellen, als würde man durch einen dichten Wald oder Dschungel gehen. 

Während ich damals meinen Befreiungsprozess erlebte und mich sehr allein damit fühlte, sah ich mich in einem dichten Wald, der voller Konzepte und Illusionen war und es gab keinen sichtbaren Weg vor mir. So schlug ich mich durch, Schritt für Schritt und Tag für Tag. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jedes Konzept, das auftauchte und geglaubt wurde, musste gesehen und gefühlt werden, bevor es sich als Illusion auflöste oder der Schatten integriert bzw. transzendiert wurde. Ich wußte nicht, ob ich je aus diesem wahnsinnigen Dickicht herauskommen würde und vor allem, wie ich da durchkommen soll. Drehe ich mich nur im Kreis und trete auf der Stelle? Ich war immer wieder verzweifelt und fiel oft zu Boden. Werde ich verrückt werden oder wirklich irgendwann frei sein? Ich wußte es nicht. Doch zwei Wörter tauchten immer wieder in mir auf: Geh weiter! und ich ging weiter. Ich konnte gar nicht anders.

 

 

Das Loslösen aus der Identifikation und von den gewohnten Mustern und Schatten geht nicht problemlos und schmerzlos vonstatten. Warum? Weil wir dazu neigen, an gewohnten Gedanken, Handlungen und Vorgängen festzuhalten, selbst wenn sie uns Schmerzen und Leid verursachen. Wir kämpfen dagegen an und sind im Widerstand mit dem Ist-Zustand. Wären wir total offen und bereit für die Loslösung, wäre es ein immer tiefer wirkender Genuss der Befreiung und Hingabe. So sehr wir uns von unserem Leiden befreien wollen, so sehr halten wir auch daran fest und verteidigen es. Wir lieben meistens mehr das Drama und den Schmerz, als das lebendige und freie Da-Sein. 

 

 

Das Sein bietet dir im Prozess alle Möglichkeiten, die du brauchst, damit du dich von deinen Mustern befreien kannst. Je nachdem, welche Themen aktuell sind und mit denen du identifiziert bist, wirst du mit ihnen konfrontiert. Sie werden dir im Außen durch Menschen und Gegebenheiten so lange gespiegelt und manchmal sehr stark hochgefahren, bis du sie immer mehr liebevoll integrieren und heilen kannst bis zur Transzendenz. Du musst dich also nicht darüber ärgern, wenn dein Arbeitskollege oder deine Partnerin immer wieder in dir Wut oder Schmerz auslöst. Diese Spiegelungen geschehen aus Liebe, damit du ganz heil und frei werden darfst. 

 

Die Person oder das Thema, das dich am meisten antriggert und von dem du glaubst, es nicht loslassen zu können oder glaubst, daran zu zerbrechen, obwohl du darunter leidest, bietet dir das größte Potential zu deiner Befreiung. Irgendwann kannst du darin die totale Liebe des Seins sehen. 

 

 

 

 

Wenn du lernst, HIER zu sein, mit dem was ist und du dich immer mehr dem EINEN hingeben kannst, dann wird das Ziel und der Wunsch, schnell fertig sein zu wollen, immer unwichtiger. Es kann sich ein Genuss einer ungewöhnlichen Einfachheit ausbreiten, die von Frieden und Leichtigkeit geprägt ist. 

Im ZEN wird gelehrt. dass man sich in das, was man gerade tut, vertiefen soll. Es geht dabei nicht um das Ergebnis, sondern um das Tun selber. Dann wird jeder Moment zur Meditation, weil der Tuende im Tun sich auflöst und verschwindet. Dann bleibt das Tun, was keiner tut.

 

Die Voraussetzung, um in dein inneres Mysterium tiefer einzudringen, ist, dass du HIER bleibst und wirklich offen und bereit bist, alles willkommen zu heißen, was auftaucht. Die Konditionierung zeigt, dass du meistens am Wegrennen bist. Zeitlebens rennen wir vor uns selbst weg. 

Wenn ich Menschen in ihrem Prozess begleite, ist das der zentrale Punkt: Es scheint das Bedrohlichste und Unangenehmste zu sein, dass wir uns selbst nahe kommen, uns wahrnehmen und uns spüren. Als wären wir unser größter Feind. 

Ist das nicht verrückt?

Wenn es uns aber gelingt, dass wir innehalten können und wirklich anhalten und still werden und wahrnehmen, was ist, ist das echte Nahrung für uns. Du kannst die Erfahrung machen, dass egal, welche Gefühle auftauchen, seien es Angst, Wut, Traurigkeit oder Enttäuschung, dass wenn du bereit bist, sie zu fühlen und du dir dafür selbst den Raum schenkst und dein Wissen darüber einfach mal fallen lässt, dass es nur Fühlen ist. Es ist reines Fühlen und Wahrnehmen ohne Kommentar und Bewertung. Und je tiefer du in das JETZT kommst, es immer mehr durchdringen kannst, um so nicht-wissender wird es. Je nicht-wissender und leerer du bist, um so erfüllter bist du. 

 

 

Der Erwachens- und Befreiungsprozess hat sehr viel mit Geben und Nehmen zu tun. Wir können uns fragen, inwiefern wir bereit sind:

  • Gefühle, die wir festhalten, zu fühlen und auch wieder freizugeben? 
  • Gedanken, Meinungen und Vorstellungen, an denen wir festhalten und von denen wir glauben, dass sie uns ausmachen und die wir brauchen, um zu überleben, sie loszulassen und nicht mehr zu glauben? 
  • Gewohnte Abläufe und Handlungen einfach mal zu lassen und stattdessen dem Leben den Raum geben, dass es sich ausdrücken darf? 

 

Oder halten wir den Traum und das Gewohnte fest und sind nicht bereit, es loszulassen? Wie ist das möglich, dass wir uns Freiheit wünschen und wenn sie uns angeboten wird, dass wir sie nicht nehmen wollen? Wir wollen aus dem Traum erwachen, sind aber nicht bereit, Illusionen als solche zu erkennen und sie fallen zu lassen. Je mehr wir bereit sind, von uns zu geben, um so mehr empfangen wir. Jesus hat es damals schon gesagt: „Selig sind die, die arm im Geiste sind, denn denen gehört das Himmelreich.“ Damit meinte er, wenn wir unsere Gedanken und Konzepte loslassen und wirklich im Geiste leer und arm werden, können wir den Himmel hier und jetzt erleben und sein.

 

Geben bedeutet los-lassen, sich lassen, sich verschenken, das Leben zu-lassen, das SEIN durch-lassen. Die künstlich geschaffenen Ich-Schichten zu entblössen und fallen zu lassen. Sie haben unser vermeintliches Ich so schön ausgeschmückt und dann fallen die Masken und darunter kommt immer mehr deine wahre Schönheit zum Ausdruck. Dein Nackt-werden macht dich frei und durchlässig. 

 

Sei willkommen daheim - in dir!

 

Namaste!

 

 

Kann nach dem Erwachen auch wieder vor dem Erwachen sein?

 

Ja, das ist durchaus möglich, dass ein wacher Mensch auch wieder einschläft. Wenn jemand erwacht, ist das vorwiegend das geistige Bewusstsein, das sich seiner selbst bewusst wird. Es erwacht aus seinem Traum, eine getrennte Person zu sein und fällt zurück in die Einheit. Es ist ein tiefes Erkennen, dass das Ich mit seiner ganzen Geschichte noch nie existiert hat, eben nur als Geschichte oder Traum. 

 

Diese tiefe Einsicht kann plötzlich geschehen oder man fließt allmählich in die geistige Wachheit hinein und realisiert immer mehr seine wahre Natur. Gleichzeitig wird auch das körperliche Bewusstsein mit aktiviert, das alle unsere Emotionen, Gefühle, Empfindungen, Reflexe, Gewohnheiten und konditionierte Abläufe beinhaltet. Dadurch können sich manche Muster und Schatten aus dem Körper lösen. Wieviel sich beim Erwachen löst und befreit wird, das ist so individuell, wie es Menschen gibt. 

 

Nach dem Erwachen ist man also geistig wach und zum Teil auch von gewohnten Verhaltensmustern, Anhaftungen, Reflexen und Schatten erlöst. Nun liegt es an jedem Einzelnen, ob er sich weiter befreien möchte oder nicht. 

Die Frage stellt sich, inwiefern kann jeder für sich selbst entscheiden, wie weit und wie tief man auf die innere Forschungsreise gehen möchte? Oder kann es sein, dass es nicht für jeden bestimmt ist, zu erwachen und auch nicht für jeden dran ist, die absolute Freiheit und Erleuchtung zu erlangen? 

 

Natürlich ist es nach dem Erwachen viel einfacher, an sich zu arbeiten, die Selbsterforschung zu praktizieren und sich weiter zu befreien. Denn jetzt erst ist es einem möglich, aus dem freieren Bewusstsein heraus wahrzunehmen und zu beobachten, was an Gedanken oder Mustern auftaucht. Denn das Ego, das bis zu diesem Zeitpunkt gerne einen abgelenkt hat oder zum Teil sogar feindlich diesem Prozess gegenüberstand und seine Existenz verteidigt hat, dient nun mehr dem Weg nach innen.

 

Was allerdings in den meisten Fällen passiert, ist, dass sich nun das spirituelle Ego immer mehr Raum nimmt und auf ganz subtile Weise eine erneute Identifikation hervorbringt oder die noch vorhandene sich verstärkt. Wenn der Erwachte sich dieser Herausforderung nicht stellt, wird er sich immer mehr mit dem spirituellen Ego-Schatten identifizieren und wieder mehr oder weniger einschlafen. Da er aus diesem spirituellen Ego-Schatten spricht und erlebt, ist ihm dieses große Ausmaß seines „ spirituellen“ Schattens nicht bewusst und er glaubt nach wie vor, wach und frei zu sein und dementsprechend auch klar wahrzunehmen. 

In diesem beschriebenen Fall bräuchte es eine erneute Hinwendung zu einem erwachten und freien Lehrer, der ihn begleitet, sich aus diesen spirituellen Ego-Mustern zu befreien. 

Aber mal ganz ehrlich, welcher Erwachte, vor allem welcher erwachte Lehrer wäre wirklich bereit, noch einmal sein so hart erworbenes spirituelles Gesicht zu verlieren? Nach der oft langen und erschwerten Suche möchte man sich nicht noch einmal aufraffen und das loslassen, worin man sich jetzt gerade frisch eingerichtet hat: in einem scheinbar erwachten und freien Zustand. Diesen sogenannten „Erwachten“ geht es dann ähnlich wie den Langzeit-Suchenden: Irgendwann ist es genug. Man will sich nicht noch einmal auf eine Befreiung einlassen und ein weiteres Mal sterben. Es ist klar, dass dieser Verlust weitaus schmerzhafter wäre als der vor dem Erwachen, denn hier wiegt man sich schon in Sicherheit, das Erwachen erreicht zu haben, d. h. ein Erwachter zu sein.

 

Für die meisten Suchenden ist der Weg der Befreiung und der Selbsterforschung nicht attraktiv. Sie finden ihn zu anstrengend und sind meistens nicht bereit, etwas für ihre Befreiung zu investieren. Sie wollen das Erwachen haben und zwar so schnell wie möglich. Aber Erwachen ist nicht etwas, was man sich erkaufen oder aneignen kann. Er ist vielmehr ein Seins-Zustand, der sich auftut, wenn man sich auf den inneren Prozess einlässt und sich von seinem Sein, das in jedem ist, berühren und führen lässt. 

 

Wir dürfen uns bewusst sein, dass solange man nicht weitgehendst im freien Bewusstsein gegründet ist und sein wahres Seins-Wesen nicht wirklich geistig und körperlich realisiert und manifestiert hat, wird der Verstand immer wieder auf subtile Weise wirken und die wahrhaftige Sichtweine vernebeln. Denken wir an die Lehre von Advaita. Advaita weist direkt auf die Nicht-Zweiheit hin, auf das Absolute. Dieses Konzept kann nur solange wirkungsvoll sein, wie der Suchende diese direkte Hinweise und Worte in sich aufnimmt und sich von ihnen berühren lässt. Für mich waren diese Worte damals wie ein Hammerschlag, weil sie meine Sichtweise komplett veränderten und mich aus meinem gewohnten Wahrnehmen heraushebelte. Mir war aber auch bewusst, dass Advaita nicht der komplette Weg darstellt und mich zu meiner Befreiung führt. Denn wenn man ihn als Weg nimmt, dann gerät man zu leicht in die Abspaltung von der Materie, der Form, dem Körper, den Mustern und Schatten, die ja trotzdem alle noch in uns wirken. 

Als ich damals meinen inneren Befreiungsprozess machte, sah ich sehr viel in die Augen von Ramana Maharshi, weil ich in ihm das pure Sein sah, direkt und unverblümt. Manchmal diente es mir als Spiegelung für mein inneres Sein. Hätte er zu dieser Zeit noch gelebt, hätte ich ihn aber trotzdem nicht für meine Befreiung von meinen Mustern aufgesucht. Mir war klar, dass er dafür nicht geeignet wäre, er könnte mir dabei nicht helfen. Und warum nicht? Weil er sich selbst nicht von Mustern und Schatten befreit hat. Er war 16 Jahre alt, als er erwachte und seine wahre Natur realisiert hat. Dann zog er sich zurück in die Höhle und auf den Berg Arunachala und blieb still. Er war nicht verheiratet, hatte keine Kinder, vielleicht hat er auch noch nicht gearbeitet, d. h. er hatte sich mit den alltäglichen Problemen und Abläufen kaum auseinandersetzen müssen. Die Inder und ihre Advaita-Lehre weisen darauf hin, dass wir nicht der Körper sind und verneinen somit das ganze körperliche und weltliche Konzept. Wir leben aber nun mal in der Welt und erleben schon als kleines Kind, dass wir Gefühle, Emotionen und Empfindungen haben. Und später entwickelt sich immer mehr der Verstand, der dann alle diese Gefühle, Sinneseindrücke und unser Verhalten bewertet, analysiert und kommentiert. So entsteht ein eigenständiges Ich, das auf uns und durch uns wirkt. Die geistige Einsicht, dass wir dieses künstlich geschaffene Konstrukt „Ich“ nicht sein können, ist wunderbar und kann so tiefgreifende Wirkungen haben. Aber sich von gewohnten Verhaltensmustern, Konditionierungen, Ängsten, Kontrolle, Schatten, Widerständen, Wut, Selbstzerstörung, Hass und inneren Kämpfen zu befreien, das ist das andere. Denn erst, wenn der Geist in Frieden ist und der Körper den Frieden tatsächlich auch zum Ausdruck bringt, können wir den Frieden und die Liebe dauerhaft erleben und sein. 

 

Jedes spirituelle Konzept, sei es Advaita, Zen oder auch andere Konzepte und Heilsversprechungen, die von irgendwelchen Gurus und Meistern angeboten werden, können immer nur als Hinweise dienen und für eine zeitlang wunderbar angewandt werden. Sobald aber ein feststehendes Konzept oder Religion daraus gemacht wird, ist es nutzlos und wirkungslos. Denn die Wahrheit ist nicht vermittelbar durch eine Lehre. Unser Geist ist aber so programmiert, dass er wissen möchte, wie er von A nach B kommt, wie kann ich Erwachen und Erleuchtung erreichen? Er glaubt dann, dass er einfach etwas Bestimmtes tun muss oder eben nichts tun muss und darauf wartet, bis es geschieht. 

 

Wer ernsthaft seine wahre Natur entdecken und realisieren möchte, der wird sich  früher oder später auf die Forschungsreise in sein Bewusstsein einlassen wollen, in dem er berührt und geführt wird von seinem inneren Sein und meistens gleichzeitig von einem äußeren Lehrer. Der Weg nach Innen hat einen Zauber, weil es um das Einlassen geht auf Etwas, was man nicht kennt und nicht wirklich beschreiben kann. ES übersteigt unser Verstehen und Begrifflichkeit. Man kann alles, was man sich bisher in der Welt so angeeignet hat und was dort als Methode gewöhnlich  funktioniert hat, so ziemlich hinter sich lassen. Denn es geht um einen radikalen Shift in eine neue Dimension. Deshalb muss dieser Schritt so revolutionär sein und so anders, dass er den Suchenden aus seiner bisherigen Glaubens- und Erlebenswelt entkoppelt. Man verliert die Glaubensmuster, die Anhaftungen an sie, das Leid, die Sorgen und den Kampf. Man verliert das Wissen und die Kontrolle, zu glauben wie es geht und alles selbst hinkriegen zu müssen. Stattdessen erlebt man eine unendliche Freiheit, im zeitlosen JETZT anzukommen und zu SEIN.

 

Wenn wir in dem Prozess unseren Blick und unser Interesse immer mehr von Außen nach Innen wenden, fangen wir an, eine Beziehung zu unserem Sein - unserem wahrhaftigen Wesen - aufzubauen. Es erinnert manchmal ans Verliebtsein. Man verliebt sich und möchte den Geliebten oder die Geliebte immer wieder sehen, hören, sprechen, riechen, spüren, wahrnehmen und treffen. Eigentlich möchte man ihn nicht mehr loslassen und für immer mit ihm zusammen sein. Man möchte ihn einverleiben, sich ihm hingeben und ihn vollständig in sich aufnehmen - man möchte eins mit ihm sein.  

Das Einssein fordert jedoch den Verlust deines Ich-Seins. Für das scheinbare Ich ist es ein existentieller Verlust - für unsere wahre Natur ist es die totale Freiheit.

 

Die meisten wollen sich zwar verlieben, sind aber nicht bereit, auch etwas von sich zu geben. Wer jedoch bereit ist, ALLES von sich zu geben, wird ALLES - das Paradies - gewinnen. 

 

Was das ALLES bedeutet, kann in Worten nicht ausgedrückt werden. Es ist in Wirklichkeit NICHTS und doch - …. finde es selbst heraus. 

 
 

 

 

 

 

Transzendente Homöopathie

Als ich vor über 20 Jahren als Homöopathin und Therapeutin arbeitete, stand ich natürlich noch am Anfang von Wissen und Erfahrungen, was Homöopathie, Bewusstsein und wirkliche Heilung bedeuten.

Viele Menschen kennen die Klassische Homöopathie, die uns hilft, körperliche sowie psychische Leiden zu heilen. Obwohl die Homöopathie den ganzen Menschen individuell und sehr umfassend behandelt, ist diese persönliche Ebene trotzdem nur relativ und ziemlich begrenzt. Die Transzendenz jedoch lädt den Menschen ein, über sich selbst hinauszuwachsen und radikal sein konstruiertes und konzeptuelles Ich-Sein bis aufs Äußerste als Illusion zu durchschauen und sich davon zu befreien. 

 

Die Klassische Homöopathie basiert auf dem Grundsatz, Ähnliches mit Ähnlichem heilen.

Was heißt das? 

Das bedeutet, dass das, was schon in uns ist, z. B. ein Symptom, ein Verhaltensmuster oder ein Glaubenssatz, wird durch die von außen geführte ähnliche Information und Energieform geheilt. Auf der körperlichen Ebene kann sich das folgendermassen ausdrücken: Wenn jemand von einer Biene gestochen wird, dann wird diese Stelle rot, geschwollen, heiß und sie brennt. Erhält der Betroffene  dann das homöopathische Arzneimittel Apis (= Biene), werden diese Symptome ziemlich schnell wieder vergehen. Wenn ein gesunder Mensch dieses Arzneimittel zu sich nimmt, kann es sein, dass er genau diese Symptome (Hitze, Schwellung, Brennen, Rötung) entwickelt, weil die Symptome zuvor nicht vorhanden sind. Wie sich der Homöopathische Grundsatz „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ auf der psychischen und geistigen Ebene ausdrückt, beschreibe ich später in diesem Text. 

 

Sehr schnell entdeckte ich damals, dass mich weniger das Verschwinden der körperlichen Krankheiten interessierte und die Verabreichung der Globulis, sondern vielmehr das tiefere Verständnis von Krankheit und Heilung. Ich erforschte, wie die Psyche und das Bewusstsein des Menschen funktioniert und damit verbunden das Heilprinzip, Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Dieses Prinzip musste ich nicht lernen, das Verständnis dafür war schon lange in mir, so dass es mir leicht fiel, es in der Arbeit mit den Menschen und an mir selbst anzuwenden. 

Es war klar, dass alles, was mir im Außen in Form von Menschen, Situationen, Eindrücken, Gesten oder Stimmungen widerfährt, eine Spiegelung meines Innersten ist. Oder anders ausgedrückt: ich kann die Menschen und die Welt nur so wahrnehmen und erleben, wie diese Welt in mir geglaubt und als Wirklichkeit abgespeichert ist. Die Speicherung hängt von verschiedenen Faktoren ab wie beispielsweise die Gene, die Erziehung, das Umfeld, Gedanken, Meinungen, Konditionierung und Erfahrungen. 

 

Zu Beginn habe ich gesagt, dass die persönliche Ebene nur relativ ist und sehr begrenzt. Diese Erfahrung habe ich nach vielen Jahren therapeutischer Arbeit mit Klienten und mit mir selbst gemacht. Mir wurde immer mehr bewusst, dass alles, was wir denken, fühlen, erfahren und uns vorstellen, innerhalb eines gewissen Rahmens abläuft. Jeder Ablauf wird auf das Ich bezogen. Innerhalb diesem ich-haften Rahmen können wir uns zwar verändern, aber der Rahmen und die Grenze bleibt. Irgendwann wollte ich weiter, ich wollte diesen Rahmen sprengen, ich wollte unbedingt frei sein. Mir war bewusst, dass ich mich bisher im Kreis drehte, immer um meine eigene Ich-Achse. 

 

Um sich aus der identifizierten begrenzten Personen-Ebene befreien zu können, muss man zuerst verstehen, wie sie aufgebaut ist und wie sie funktioniert. Diese Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen, deshalb begrenze ich mich nur auf kurz zusammengefasste Punkte, die die Entwicklung des Menschen gut darstellen. 

 

 

Die Entwicklungsstadien des Menschen

Was ich hier nun über mögliche Entwicklungsstadien des Menschen schreibe, ist kein feststehender Ablauf und auch keine Wahrheit. Sie ist einfach nur eine Beschreibung, die als Landkarte dienen kann und die jederzeit wieder weggelegt und verworfen werden kann. Erik Erikson hatte vor 1959 eine Beschreibung der psychosozialen Entwicklung des Menschen entwickelt, die heute noch in der Psychologie angewandt wird. Es geht dabei um die Phasen, die ein Mensch von Geburt bis zu seinem Tod durchläuft. Der Mensch gerät dabei immer wieder in Krisen, deren Lösung seinen weiteren Entwicklungsweg bahnt. Sie sind also notwendig, damit er sich weiterentwickelt und entfaltet. 

 

Wenn man die Entwicklung des Menschen betrachtet, dann beginnt sein Entstehen nicht erst mit der Geburt, sondern schon davor mit der Zeugung und die Zeit der Schwangerschaft. 

Ich habe so viele Menschen erlebt, die mir sagten, dass sie gar nicht auf die Welt kommen wollten, dass sie diese Welt viel zu grob und hart empfinden und hier nur schwer zurecht kommen. Manche erleben sich immer noch unbewusst in der Einheit mit Gott oder einem geistigen Ort jenseits dieser Welt, wo sie sich geborgen und sicher fühlen. Doch dann steht die Entscheidung für die Geburt an, für das eigenständige individuelle Leben, eine Existenz anzunehmen. Manche müssen sich durch den Geburtskanal kämpfen, andere sterben noch im Mutterleib und wieder andere kommen leicht durch. Hier wird bereits der erste Schritt zur Trennung eingeleitet. Damit wir uns weiterentwickeln und unserer selbst bewusst werden, muss die Einheit scheinbar aufgelöst werden. Nur so kann man sich als getrenntes individuelles Wesen erfahren. Durch den Trennungsschmerz stehen wir dann vor der großen Herausforderung, die gleichzeitig auch als unsagbare Gnade gesehen werden kann, wieder in die Einheit als selbst-bewusstes Wesen zurückzukehren. 

 

Die Geschichte von Adam und Eva beschreibt diesen Schritt sehr schön, wie sie sich eins mit Gott und allem fühlen. Das ist das Paradies oder der Himmel, von dem Jesus spricht. Aber Adam und Eva sind sich dessen noch nicht bewusst, so wie auch ein Säugling noch unbewusst in der Einheit ist. Aus diesem Grund müssen sie in die Trennung, um dann die Reise nach innen anzugehen, die wieder in die Einheit führt. Diesmal aber als bewusstes Wesen, das sich seiner Selbst bewusst ist. Damit Adam und Eva den Bewusstwerdungsweg gehen, ließ Gott sie durch die Schlange verführen und hat sie damit aus dem Paradies der Einheit geworfen. Die Trennung war nun vollzogen. Die Verführung durch die Schlange und dass sie sich darauf einließen, war nicht falsch, sondern not-wendig, damit sie sich - so wie wir auch - auf ihren inneren Weg machen, durch Schmerz und Leid der Trennung gehen, um dann das Eins-Sein in sich wieder zu erleben. 

 

 

Zurück zur Entwicklung des Menschen:

Nach der Geburt gibt es eine Phase, in der sich der Säugling immer noch eins fühlt mit allem. Er ist sich seiner selbst jedoch nicht bewusst. Wenn das Kind in dieser Phase stecken bleibt, möchte es nicht aus der Einheit und wird immer künstliche Einheitszustände herstellen. Es wird sich später schwer tun, in der Welt wirklich Fuß zu fassen und die Materie und den Körper anzunehmen. Ist es nicht verständlich, dass Menschen, die sehr stark in dieser Phase stecken, später den Weg der Spiritualität gehen und sehr viel Interesse am Erwachen und der Erleuchtung haben? Viele träumen sich immer wieder weg und/oder nehmen Drogen, um nicht wirklich im Körper und in der Welt sein zu müssen und sich dem Ist-Zustand stellen zu müssen. Die Sehnsucht nach Spiritualität und Erleuchtung verkörpert ihren „Traum“ einer besseren und heileren Welt. Aber wenn sie nicht lernen, die Materie und den Körper anzunehmen und durch den Schmerz und das Leid der Trennung zu gehen, wird die Einheit ein Traum bleiben. 

 

Die nächste Phase, in der sie stecken bleiben können, beschreibt den inneren Zweifel: soll ich mich jetzt wirklich auf die Welt einlassen oder möchte ich nicht doch wieder zurück in meine Traumwelt, wo alles schön und heil ist? Da kann ich nicht verletzt werden, da kommt mir niemand zu nahe? Sie fühlen sich hin- und hergerissen, können sich nicht entscheiden und sind weder hier noch dort. 

 

In der weiteren Phase besteht die Möglichkeit, dass sie eine riesige Kraft in sich  entdecken und sie möglicherweise auch einzusetzen. Sie lösen sich aus Abhängigkeiten und kommen mit ihrem eigenen Willen in Berührung. Das Kind entdeckt, dass es seinen Stuhl zurückhalten kann, dass es Nein sagen kann und sich der Mutter widersetzen kann. Es entdeckt eine Kraft in sich, die sich meistens als Wut ausdrückt, um gewisse Regeln zu durchbrechen und aus abhängigen Bindungen sich zu lösen. Hier entstehen die ersten Anfänge des Ich-Willens, im Alter von ca. 1-3 Jahren.

 

Später geht es um die Themen von Familie und Versorgung und Nahrung. Inwiefern bin ich fähig, für mich selbst zu sorgen und meine Bedürfnisse zu befriedigen oder brauche ich immer noch die Mutter oder später den Partner dafür? Sie können das Gefühl haben, zu wenig bekommen zu haben und erleben immer wieder Mangel und Knappheit. 

 

Danach wollen sie sich über Leistung definieren. Sie möchten gesehen werden und über die Leistung und das Wissen Anerkennung erhalten. Sie suchen nach Vorbildern und Autoritäten, die sie vielleicht bewundern oder gegen die sie kämpfen. Der Verstand wird stärker und das Ego wird nun stabiler und immer mehr gefestigt. Hier kann der Verstand und die Kontrolle so stark werden, dass sie das Herz, die Gefühle und die Intuition mehr und mehr unterdrücken oder sogar abspalten. 

 

Dann geht es weiter, wenn das Ego gut ausgebildet ist und sich als Individuum behaupten kann, das es sich einen Platz innerhalb einer Gruppierung als Individuum sucht. So stellt sich die Frage, inwiefern kann ich mich von der Gruppe als Individuum abheben und trotzdem ein Teil von ihr sein? 

 

Ja, und dann? 

 

Wenn wir das Ego so gut ausgebildet haben und die Identifizierung im Laufe dieser Entwicklung immer stärker geworden ist, kann der natürliche Weg der Loslösung beginnen. 

Wenn wir alte Menschen beobachten, können wir manchmal sehen, dass sie den Prozess der Loslösung auf natürliche Weise geschehen lassen. Sie verlieren allmählich das Interesse an der Welt, sie brauchen nicht mehr die unbedingte Anerkennung für ihr Ego und ziehen sich mehr und mehr von dem äußerlichen Geschehen, der Welt, zurück. Wenn sie an diesem Prozess nicht von Außenstehenden, Institutionen und Familie wieder in das Weltgeschehen zurückgezogen werden und sich diesen inneren Rückzug selbst gestatten, kehren sie immer mehr in die Stille und Leere. Das ist der natürliche Prozess, der sie auf das große Loslassen - das Sterben - vorbereitet. Die größte menschliche Erfahrung, die wir machen können - wir legen das persönliche Kleid ab und gleiten wieder zurück in die Einheit.

 

Da die Lösung und Befreiung seltenst freiwillig geschieht, wird sie durch das Leben, d. h. von unserem Sein, von Gott herbei geführt. Das geschieht nicht nur im Alter oder erst, wenn das Ego stark genug ist. Die Chancen und Herausforderungen für das Loslassen geschehen immer dann, wenn wir im Widerstand und Kampf sind, wenn wir gegen uns arbeiten und von unserem inneren Weg abkommen. So kann dies auch schon in jungen Jahren geschehen.

 

Die Transzendenz ermöglicht diesen radikalen Schritt, der über das Person-sein hinausgeht und in die absolute Befreiung führt. Dies erfordert einen inneren Prozess der Selbsterforschung und die Befreiung aus gewohnten Gedanken-  sowie Verhaltensmustern und Abläufen. Dabei können auch homöopathische Arzneimittel wie Mineralien, Pflanzen, Tiere, Nosoden und Imponderabilien und natürlich auch andere Methoden den Prozess unterstützen. Sehr zu empfehlen ist der direkte Kontakt mit einem spirituellen Lehrer, der bereits wach ist und authentisch und wahrhaftig in seinem Dasein.

 

 

 

Ähnliches mit Ähnlichem heilen

Wenn wir also in unserer Entwicklung  in einer bestimmten Phase stecken und nicht weiterkommen oder sich die Ereignisse immer wiederholen, dann können wir ein 

entsprechendes Mittel erhalten, das genau diese Information und Energie enthält, die dem jeweiligen Zustand entspricht. Erinnern wir uns an den Grundsatz: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Das heißt, das Thema korreliert dann energetisch in uns und wir werden sicherlich auch durch gewisse äußere Umstände damit konfrontiert, bis wir das Muster als Konzept durchschaut haben. Dann hat es seinen Zweck erfüllt und kann von uns ab- bzw. wegfallen.

Wenn beispielsweise ein Sohn glaubt, seiner Mutter helfen zu müssen, weil sie krank ist und von ihrem Mann verlassen wurde, dann wird er später immer wieder an Frauen geraten, die er schwach und hilfebedürftig sieht.  

Er schaut aus seinem Muster heraus, das wie ein Filter wirkt und ihn dazu veranlasst, Retter und Helfer für andere zu sein. Erst wenn er sich dessen bewusst wird, dass dieser Glaube und das dazugehörige Verhalten einfach nur ein konditionierter Traum ist, kann er sich daraus befreien.

 

Ein anderes Muster könnte sein, dass sich beispielsweise eine Frau immer wieder von Freunden oder ihrer Familie ausgegrenzt fühlt. Sie erlebt dann immer wieder solche Ereignisse, die ihr inneres Muster in ähnlicher Weise widerspiegeln. Sie glaubt, dass die Menschen sie wirklich nicht mögen. Dieser Glaube und ihr entsprechendes Verhalten darauf bestätigen sich permanent selbst, so dass sie keine Zweifel hat, dass die Welt so ist, wie sie sie erlebt. 

Je mehr wir sogenannte „Trigger“ nicht wahrhaben wollen und sie wegdrücken oder vor ihnen weglaufen, um so massiver können sie auftreten. In der Homöopathie sprechen wir dann von einer Hochpotenz des Arzneimittels. Je massiver der Widerstand in uns ist, um so stärker erleben wir die Spiegelung von Außen. Darin liegt natürlich auch die große Chance zur Befreiung. Es ist ein massiver innerer Weckruf, den wir von Außen, letztendlich von unserem Sein, erhalten. Sind wir dann bereit, diese Herausforderung oder das Geschenk anzunehmen und wirklich hinzuschauen? Wir erhalten täglich unzählige Gelegenheiten, unseren gewohnten Mustern, Schatten und Glaubenssätzen bewusst zu werden und uns immer mehr von ihnen zu befreien. Es liegt dann an uns, ob wir uns auf den inneren Transformations- und Integrationsprozess einlassen wollen oder nicht.

 

Diese scheinbaren Inszenierungen, die uns gespiegelt werden, geschehen nur aus Liebe, nicht, weil wir etwas falsch machen oder weil Gott und das Leben uns ärgern wollen. Wir werden so oft diese Szenen erhalten und durchleben und fühlen, bis wir sie als „Traum“ vollständig durchschaut haben und wir uns aus diesen Mustern befreit haben. Wir erleben dann die Transzendenz, wenn wir aus dem freien bewussten Sein sehen und wahrnehmen, was wirklich ist. Die Dualität wird zur Non-Dualität, aus der Trennung entsteht Einheit. Wir betrachten und erleben dann die Welt aus einem inneren Frieden heraus. Wenn man aus der freien Perspektive schauen kann, dann kann man sogar über sich selbst lachen, was man alles geglaubt hat und an welchen irrsinnigen Konzepten man festgehalten hat. In der Homöopathie sprechen wir von Wahnvorstellungen. 

 

 

Nach meinem Erwachen nahm ich irgendwann wieder meine Arbeit auf und interessanterweise trat die Klassische Homöopathie wieder in mein Leben, worüber ich sehr verwundert war. Jetzt konnte ich jedoch eine viel größere Möglichkeit an Arzneimitteln entdecken und bekam ein tieferes und umfangreicheres Verständnis für deren Wirkungs- und Heilungsmöglichkeiten. 

Es war für mich ein großes Abenteuer, unter diesen differenzierten Merkmalen die Homöopathie ganz neu anzuwenden.

Mein Interesse war natürlich, nun über die persönliche Ebene hinauszugehen und die Menschen in ihrem Erwachens- und Befreiungsprozess auch homöopathisch und energetisch und mit Hilfe des Bewusstseins zu begleiten.

 

Ich machte immer mehr die Erfahrung, dass wenn die Menschen von mir eine homöopathische Behandlung erhalten haben, dass sie mir das Feedback gaben, dass für sie weniger das Mittel von Bedeutung war, sondern vielmehr das Gespräch und die Begegnung und was dabei geschah. Warum war das so?

 

 

Der homöopathische Prozess

In der homöopathischen Behandlung versuchte ich zum einen herauszufinden, in welchem Stadium der menschlichen Entwicklung die Person steht. Wodurch fühlt sie sich blockiert und behindert und kann sich deshalb in ihrem Bewusstsein nicht weiter vertiefen? Was ist der rote Faden, der sich durch das ganze Leben zieht?

Wenn diese Stelle  bzw. der rote Faden sehr präzise herausgearbeitet werden kann, ist es leichter, ein entsprechendes Mittel zu finden. Es muss genau diese Information und Energie enthalten, die dem momentanen Stand des Menschen entspricht. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass die Person in ihrer Beschreibung so tief gehen kann, dass sie direkt aus der Quelle des homöopathischen Arzneimittels ihre Empfindung präsentiert. Auf dieser Ebene hat der Verstand keinen Zugriff mehr und wenn er mithören würde, dann würde er sich wundern, welche Worte oder sogar Unsinn da gesprochen wird. Das Energiemuster, das also bereits vorhanden ist als Glaubenskonzept und Verhaltensmuster wird bestenfalls erkannt und in Form von Globulis dem Menschen gereicht. Die Globulis sind nichts anderes, als die Information und das Thema, worunter der Patient leidet, was er in energetischer Form zu sich nimmt. Das Ähnliche, das im Patienten als Muster bereits angelegt ist, wird durch ein ähnliches Arzneimittel verabreicht und korreliert nun im Geist und im Bewusstsein und im Körper des Patienten. 

 

 

Hierzu ein Beispiel:

Angenommen, eine Frau tut sich schwer, hier in dieser Welt Fuß zu fassen. Sie hat immer wieder neue Jobs und zieht vielleicht öfters um. Dieser Wechsel spiegelt sich auch in ihren Beziehungen wider. Gerne reist sie nach Indien, weil sie das Leben dort so frei und entspannend findet. Sie verbringt dort immer wieder für einige Wochen ihre Zeit, wo sie Yoga macht und meditiert und das Gemeinschaftsleben genießt. Deutschland findet sie spießig und langweilig und hat Probleme mit den Regeln und Begrenzungen. In ihrem Heimatland hat sie immer wieder rheumatische Schmerzen und Hautprobleme. Diese Frau würde ein homöopathisches Arzneimittel bekommen, das genau diese thematische und evtl. auch körperliche Entsprechung hat, nämlich, dass sie gerne aus der Welt flüchtet und sich eine eigene Traumwelt und geträumte Spiritualität erschafft, die scheinbar heil und ohne Gefahr ist. Darin fühlt sie sich frei und leicht. 

Wenn dann ihre körperlichen Beschwerden weitgehend verschwunden sind und sie die Reisen nicht mehr als Flucht benutzt und sie sich mehr in der Welt integrieren kann, ist das ein großer Schritt und die Voraussetzung für den weiteren Heilungsprozess. Natürlich kommt es darauf an, wie tief sie sich darauf einlassen kann und möchte. 

 

Als ich früher noch als Therapeutin gearbeitet habe, versuchte ich die Menschen auf ihre Glaubens- und Verhaltensmuster aufmerksam zu machen. Denn erst, wenn sie einem bewusst sind, kann Veränderung geschehen. Das alles betraf aber immer noch die relative Ebene des scheinbaren Ich’s, von dem die Menschen ja glauben, dass sie es sind.

 

Wenn wir aber bereits herausgefunden haben, dass das Ich tatsächlich nur ein Konstrukt aus Gedanken, Gefühlen, Emotionen, Glaubensmustern und Konditionierungen besteht, so kann dieses Traumgebilde immer nur durch weitere Unbewusstheit aufrecht gehalten werden. Wird das Traumgebilde mit der Wirklichkeit verwechselt und geglaubt, wiederholt es sich permanent und bestätigt sich immer wieder neu.

 

 

Menschen, die nun aus diesem gesamten Traumgebilde aufwachen wollen, gehen den Weg nach innen in die Selbst-Erforschung und Befreiung. Sie fangen an, das Ich-Konstrukt als solches zu durchschauen, was zum einen im Geiste passiert, zum anderen über die Befreiung der Energiemuster im Körper. Und hier kann die Homöopathie ein Stück weit ein sehr hilfreicher Begleiter sein, um sie dann abzulösen durch die Transzendente Homöopathie.

 

 

Wie sieht die Heilung also jenseits der homöopathischen Substanzen aus?

Während ich die Gespräche mit den Menschen und deren Veränderungen beobachtete, wurde mir immer mehr bewusst, dass wenn die homöopathischen Arzneimittel nur Energie sind und bestimmte Themen und Informationen enthalten, dann braucht es letztlich nicht immer die Verabreichung von Globulis. Wenn es uns möglich ist, uns mehr im Bewusstsein zu vertiefen und daraus wahrzunehmen, können wir uns dieser Energie und Information auf natürliche und gesunde Art bedienen und sie integrieren. 

Dies erfordert natürlich von dem Behandler einen bestimmten Grad an Bewusstheit, um den Hilfesuchenden tiefer zu führen und natürlich auch ein tiefes Verstehen darüber, was in ihm vor sich geht und an welchem Punkt er momentan blockiert ist. Und es erfordert eine noch größere Bereitschaft des Hilfesuchenden, sich an seinem eigenen Heilungsprozess zu beteiligen. Mir wurde immer klarer, dass ich selbst das homöopathische Heilmittel in der Begegnung meines Gegenübers spiegle, so wie uns alles jederzeit gespiegelt wird. Das erlebte ich schon immer, wenn ich mit Menschen gearbeitet habe, auch ohne Globulis. Das Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ wirkt permanent, denn die Welt ist in uns und im Außen spiegelt sie sich uns wider auf ähnliche Weise.

 

Als die Illusion des Ich’s von mir abgefallen war und ich zutiefst wußte, dass wir nicht das sind, von dem wir glauben, dass wir es sind, war es mir noch leichter möglich, einfach leer und offen meinen Klienten gegenüberzusitzen. Ich konnte beobachten, wie die Worte einfach aus mir herausflossen und meine Wahrnehmung immer klarer und feiner wurde. Alles, was vorher schon möglich war, wurde jetzt noch differenzierte und durchlässiger. 

Ich beobachtete, wie unterschiedlich ich in diesen Begegnungen mit den Menschen sprach und wunderte mich manchmal darüber, wenn die Worte in einem Moment sehr radikal und konsequent gesprochen wurden und in einem anderen Moment vielleicht weich und liebevoll. Mir wurde bewusst, dass das, was zum Ausdruck kam, das ist, was in dem Gegenüber bereits angelegt ist, vielleicht aber noch nicht in seinem Bewusstsein. Ich wurde deren Spiegel, der ihr angelegtes Muster im Jetzt reflektierte und zum Ausdruck brachte. 

Meistens sind das Muster, mit denen sie identifiziert sind und unter denen sie leiden. Es sind Ideen und Vorstellungen, die sie glauben und daran festhalten. Es sind Verhaltensmuster oder Anteile, die noch ein Schattendasein führen und in der Verdrängung oder Abspaltung leben. Sie kommen ans Licht, in dem sie ihnen gespiegelt und aufgezeigt werden. Gewöhnlich möchte man sich nicht freiwillig dieser Spiegelung unterziehen. Zuviel Widerstände und Nein’s haben die Menschen im Laufe ihres Lebens aufgebaut, dass es wirklich nur schwer möglich ist, sich ihnen zu stellen. Meistens ist die Zeit erst dann dafür reif, wenn man vom Schicksal aufgefordert wird in Form von einer schweren Krankheit, Unfall oder Verlust eines geliebten Menschen. Oder aber die Sehnsucht und der Hunger nach Frieden und Freiheit ist so stark, dass sie bereit sind, radikal ihre Reise nach innen anzutreten. 

Die Spiegelung eines spirituellen Lehrers betrifft aber nicht nur die unangenehmen Muster und Schattenseiten, er spiegelt natürlich auch das göttliche Sein, das jeder Mensch ist. So kann der Suchende in seinem Gegenüber auch den Frieden, die Liebe und die Freiheit sehen, nach der er sich sehnt.

 

Während die Homöopathie noch die relative und persönliche Ebene bedient, wo sich die Person weiterentwickeln und vielleicht einen besseren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen kann, wo sie lernt, sich scheinbar nicht mehr verletzen zu lassen oder besser für sich einzustehen, lädt die Transzendenz dazu ein, über diese Ebene komplett hinauszugehen. Hier löst man sich nicht nur von jeglichen Konzepten und Geschichten, sondern von dem tief sitzenden Glauben, ein getrenntes Ich zu sein. Dieser Glaube an das Ich-Konstrukt ist die Wurzel von Krankheit und Leiden. Denn sobald wir uns als getrennte Wesen von Gott erleben, gehen wir einen unnatürlichen Zustand ein, der sich immer mehr im Geist und im Körper manifestiert und uns leiden lässt. Wenn wir wieder zu unserer wahren Natur - in die Einheit - zurückkehren wollen, dann steht uns ein revolutionärer und radikaler Loslösungs- und Befreiungsprozess bevor.

 

Wir können uns nur von etwas lösen und befreien, an das wir glauben, an dem wir festhalten und das wir für real halten. Als Baby waren wir noch frei und unschuldig, das heißt, wir haben noch nicht gelernt, wie wir die Dinge sehen und wahrnehmen sollen. Wir wußten noch nichts. Durch jedes Wissen und Wertung werden die Sinneseindrücke eingefärbt. Die Gefühle, die das Kind fühlt, werden irgendwann vom Verstand analysiert, interpretiert, kommentiert und ausgewertet, so dass aus dem natürlichen und unschuldigen Da-Sein ein komplexes und widersprüchliches Verstehen und Verhalten entsteht, das mitunter mit vielen Ängsten und Kontrollmechanismen begleitet ist. Aus diesem persönlichen und wahnhaften Gefängnis, das wir „unser Leben“ nennen, können wir uns jederzeit befreien. Das ist nicht immer einfach, denn die Welt und das konzeptuelle Ich fordert vehement seine Aufmerksamkeit und möchte unaufhörlich bestätigt werden. 

Deshalb ist es sehr hilfreich, sich von einem spirituellen Lehrer/-in begleiten zu lassen, der bereits wach und weitgehend frei ist.  

Das Bewusstsein spielt dabei eine zentrale Rolle. Wenn wir uns darin immer mehr vertiefen, können wir einen leeren zeitlosen Raum wahrnehmen, der still ist und Nichts reflektiert. Jede Regung, jeder Gedanke, jedes Wort, Geste, Gefühl und Reaktion, die aufsteigen, können in diesen leeren stillen Raum zurückkehren. Die Stille ist unser wirkliches Zuhause. Die Transzendenz wird erst dann wirksam, wenn wir immer mehr in diesem stillen zeitlosen Dasein sind, bis es uns vollständig vereinnahmt und wir darin verankert sind. Das, was uns bisher angetriggert hat, sehen und erleben wir so nicht mehr oder wir sind in Frieden mit dem, was ist. Das Leben wird spielerisch und leicht.

 

 

 

Erwachen - Ein Shift in eine neue Dimension 

 

Eigentlich war ich schon immer auf der Suche nach dem, was ich wirklich bin und nach Gott. Ich suchte die absolute Freiheit, die unabhängig von Umständen und Menschen ist und nach der bedingungslosen Liebe, die wirklich alles einschließt und hier sein lässt. 

 

Schon als Jugendliche begann ich mir Gedanken zu machen, wer ich bin. Mir war bewusst, dass ich eine Rolle spiele, die ich nicht wirklich bin. Ich machte das, um dazuzugehören und um geliebt zu sein. In mir reichte nicht die Kraft und das Vertrauen, dass ich damit aufhörte.

Nach zwei vorausgegangenen Berufen arbeitete ich als Heilpraktikerin und Therapeutin, um mich und die Menschen besser zu verstehen. Ich verstand immer mehr, wie das Ich funktioniert. Mir kam es vor, als wäre es ein großes Maul, das immer Anerkennung und Bestätigung braucht. Die Befriedigung hält immer nur kurz und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Mir war klar, als Ich gibt es kein Ankommen, keinen Frieden und es wird niemals bedingungslos lieben können.

So sehr ich mich bemühte, als Person stieß ich immer an meine Grenzen. Ich fühlte mich in meinem Geist und in meinem Körper gefangen und wollte mich befreien. Im Herbst 2003 hatte ich ein starkes Erlebnis, in dem mein Verstand ganz plötzlich kollabierte und es total still und weit in mir wurde. Das Ich war verschwunden und alles war nur noch grenzenlos und frei. Ich sah, was wirklich ist. Es stellte mein bisheriges Weltbild komplett auf den Kopf, nichts davon war wahr. Der Verstand mit den vielen Gedanken glich einem lauten Radio in mir. Das nahm ich aber erst im Nachhinein wahr, als die Stille mich komplett vereinnahmt hatte. Nach ein paar Tagen löste sich dieser freie Zustand allmählich auf und das Ich mit seinen Mustern kam wieder zurück. Jetzt hatte ich einen Geschmack bekommen, wohin die Reise geht. Alles in mir richtete sich noch mehr aus für den Weg der Befreiung und das Erwachen aus dem Traum. Irgendwann war dann meine Sehnsucht so stark, dass ich 2004 meine Praxistätigkeit niederlegte, um mich nur noch meinem inneren Prozess zu widmen. 

 

Es war eine starke Kraft in mir, die mich eine zeitlang Tag und Nacht wach hielt, um genauer hinzuschauen und meine wahre Natur zu erforschen. Ich ließ nichts anderes mehr zu, es ging mir nur noch um das EINE; herausfinden zu wollen, wer ich wirklich bin. Ich erforschte und ging tiefer, jeder Gedanke, jedes Gefühl, meine Handlungen, alles wurde hinterfragt und auf Wahrheit überprüft. Kein Stein blieb mehr auf dem anderen. Ich erlebte einen radikalen Umwälzungsprozess, in dem das, was bisher für mich real war, immer mehr als Illusion durchschaut wurde. Das war zum Teil sehr schmerzhaft und nicht zu beschreiben, weil mein ganzes Weltbild nicht mehr stimmte. Zum Teil aber so befreiend, weil immer mehr Konzepte, Vorstellungen und antrainierte Muster von mir abfielen. Ich fühlte mich oft wie in einem dunklen Wald, in dem ich den Weg nicht immer klar sehen konnte. Werde ich je wieder aus diesem Dickicht herauskommen? Was, wenn ich mich im Kreis drehe und den Ausgang, das Licht der Bewusstheit nicht vollständig erlange? Was, wenn ich aus dem Traum nie erwachen werde? Ich hätte mir einen Lehrer gewünscht, der den Weg schon gegangen ist und mich in meinem Prozess bestätigte. Aber es sollte anders sein. Der Kontakt zu meinem Sein, meinem inneren Lehrer war so stark in mir, dass ich ihn nicht mehr übersehen und nicht mehr verleugnen konnte. Ein Leben lang nahm ich in mir die Verleugnung meines wahren Seins wahr. Immer parallel zu meinem Verhalten nahm ich wahr, dass ich ein Spiel, eine Rolle spiele, die nicht echt ist. Das Sehen und Beobachten war schon von Kindheit an da, aber ich ließ es nicht genügend zu, weil ich zu viele Selbstzweifel in mir hatte. Nun konnte ich mich von meinem Sein nicht mehr ablenken und darüber war ich unendlich dankbar. 

 

Die Zeit war geprägt von vielen ich-losen Zuständen, in denen das Ich verschwand und ich sehen und erleben konnte, wie es ist, wenn keine Begrenzung und keine Widerstände von „mir“ und in mir vorhanden sind. Ein Leben im Jetzt, in Frieden und Freiheit. Immer wenn das Ich zurück kam, traten auch manchmal die Zweifel auf, ob ich etwas falsch gemacht habe, warum kommen und gehen diese Zustände? Wann kann ich endlich für immer verschwunden bleiben?

 

Eines Abends tauchte ein Moment auf, den ich beinahe übersehen hätte - und doch wurde er gesehen. Ich wußte zutiefst, dass ich DAS bin. Ich bin noch nie weg gewesen, schon immer HIER. Es gibt nur diesen Augenblick, JETZT. Es war so unspektakulär, so still, so nah und direkt. Einfach so. Meine Vorstellung darüber war natürlich anders, dass das Erwachen vielleicht mit großartigem Klimbim und Licht … wie auch immer geschieht. Aber diese direkte Einfachheit und Natürlichkeit des Seins kann man in Worte nicht beschreiben, weil sie jede Vorstellung und jedes Wort sprengt und Etwas zurücklässt, was nur jeder für sich herausfinden kann.

Dann spulte sich wie ein Film meine Vergangenheit ab, sie wurde einfach nur gesehen, ohne Kommentar und ohne Bezug auf mich. Dann war die Filmrolle zu Ende und ich kam HIER und JETZT an. Zeitloses grenzenloses DaSein. 

 

 

 

Der Wassertropfen kehrt nach Hause in den Ozean zurück.

Er wundert sich, wie er je glauben konnte,

getrennt von ihm zu sein. 

 

 

 

 

 

Was mir danach bewusst wurde, dass ich mich ganz als Ich, als Maria Anna fühlte. Das hat nichts damit zu tun, wie ich mich bisher kannte und erlebte. Es war vielmehr so, als wäre ich jetzt erst das, was ich bin. Es ist unser Sein, das wir schon immer sind und das ist uns zutiefst vertraut. Deshalb finden wir nichts Neues, sondern das Erlernte fällt immer mehr weg, so dass unsere wahre Natur zum Vorschein kommt. 

 

Und was mir noch auffiel, dass ich jetzt keinen Ort und keinen besonderen Zustand mehr herstellen konnte oder zu dem ich innerlich hingehen wollte. Es gab kein Innen und kein Außen mehr, kein Besser oder Schlechter, kein Morgen und kein Gestern. Alles war Hier und Jetzt, offen zugänglich, unmittelbar. Kein Wegträumen mehr oder einen bestimmten Zustand herstellen wollen.

 

Nach einigen Wochen und Monaten konnte ich beobachten, dass irgendwelche Muster und bestimmte Gefühle in mir wieder auftauchten. Ich war zuerst verunsichert, weil ich vielleicht glaubte, dass mit dem Erwachen und meinem intensiven Befreiungsprozess davor die Freiheit nun da ist. Aber immer mehr verstand ich, dass ich die Befreiung fortführen darf und einfach innerlich vertiefen möchte. 

Meine morgendlichen Spaziergänge mit dem Hund inspirierten mich immer sehr, so dass mir klar wurde, mit dem Erwachen ist man noch nicht komplett frei und erleuchtet.

 

Wenn man wach ist und sich wirklich im Wachsein stabilisiert hat, dann nimmt man eine neue Sichtweise ein. Es ist ein Shift in eine neue Dimension. Was bisher für real gesehen wurde, die Welt und die Menschen mit ihren Gedanken und Gefühlen, aus dem Standpunkt eines Ich’s gesehen, zeigt sich als relativ, scheinbar und sehr begrenzt. Es geht dabei immer um etwas, um ein Ziel und einen Sinn. Man verwechselt Gedanken mit der Wirklichkeit und aus Gedanken und Gefühlen entstehen Handlungen und eine ganze Welt. Und das, was vorher mehr im Verborgenen war - das Sein, unsere wahre göttliche Natur - kommt zum Vorschein und wir sind ES. Mit dem Erwachen wird also nichts hinzugewonnen, sondern es ist der Verlust von der Trennung und dem Leiden und das stabile Ankommen in dem, was wir schon immer sind. Wir verlieren das Gefängnis, in dem sich vorher unsere Welt befand und deren Ernsthaftigkeit. Wenn wir also diese klare Sichtweise des bewussten Seins immer mehr einnehmen und uns darin verankern, verblasst immer mehr die scheinbare Welt. Sie wird gesehen und gleichzeitig immer Das, was alles durchdringt.

 

Mein innerer Impuls nach absoluter Freiheit war nach wie vor so klar und stark, so dass ich nach einigen eher ruhigen Jahren einen zweiten Shift in eine neue Dimension antreten durfte.

 

 

Der zweite Shift in eine neue Dimension

 

 

Nach meinem Erwachen hat sich irgendwann in mir die Frage gestellt, was Erleuchtung ist. Ich wusste, dass Erwachen nicht mit Erleuchtung gleichzusetzen ist. Denn obwohl ich wach war, konnte ich immer wieder erleben, wie in meinem Körper noch verschiedene Reflexe und Reaktionen abliefen. Das konnte noch nicht das Ende sein, das war mir klar. Wenn ich andere Erwachte erlebte, dann konnte ich das selbe beobachten. Das ließ mich weiter erforschen, was nach dem Erwachen möglich ist.

 

Das Erwachen ist eine Bewegung in eine neue Dimension. Darin kann man  bewusst und weitgehendste frei bleiben oder aber man bewegt sich weiter in die nächste Dimension. Der Shift von einer in die nächste Dimension ist meines Erachtens nur dann möglich, wenn man das Erwachen realisiert und stabilisiert hat.

 

Um die zwei Ebenen oder Dimensionen besser zu verdeutlichen, muss ich hier etwas ausholen. Als ich erwacht war, erlebte ich mich eins mit dem Sein, mit Gott. Mir war klar, dass immer noch etwas Subjektives vorhanden war, das mit dem Sein eins ist. Ich erlebte sehr intensiv die Liebe zu meinem Sein. Ich sah alles, die Natur, die Tiere und die Menschen durchdrungen von dem Einen. Jede Begegnung war eine Selbst-Begegnung, ein Selbst-Gespräch, eine Selbst-Berührung.

Wenn ich die Liebe genauer betrachtete, konnte ich wahrnehmen, dass sie immer noch subtil eingefärbt war von etwas ich-haftem. Denn Etwas in mir nahm diese Liebe stark wahr und war eins mit der einen Quelle. 

Das Mysterium Gottes ist noch nicht vollständig enthüllt. Ich bin noch nicht in dem absoluten Nichts angekommen, obwohl es doch so schien. 

 

Mein innerer Prozess sollte dann einige Jahre mehr oder weniger still bleiben, bis dann der nächste Schritt in eine weitere Dimension eingeleitet wurde. Darüber zu schreiben ist kaum möglich, aber einige Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich dabei machen durfte, sind in gewisser Weise im Nachhinein doch erklärbar. 

 

Wenn wir eins mit unserer wahren Natur sind und sie realisiert haben, dann ist es unser Selbst, das mit Gott eins ist. Wir sind unserem Selbst bewusst geworden und wissen, was wir sind. Das Selbst hat aber immer noch eine gewisse Färbung von uns, so wie ich das auch damals nach meinem Erwachen wahrgenommen habe. Das soll auch so sein. Erst im Nachhinein, nachdem das Selbst gegangen ist, kann ich sagen, was es heißt, ein Selbst zu haben.

Das Selbst ist unsere Lebensenergie, es ist unser tiefes Gefühl von Sein. Es gibt uns das Gefühl, dass wir leben, dass wir sind. Es ist unser Seins-Gefühl. Das Selbst in mir ließ mich auch die Liebe zu meinem Sein empfinden und die Liebe zu allen Lebewesen. Es war ein tiefes Empfinden von Sein, von Leben, lebendig-sein. 

 

 

 

 

Der zweite Shift in die nächste Dimension löste in mir das Selbst auf. Dieser Shift ist nicht mit dem ersten, dem Erwachen zu vergleichen, aber er ist die Voraussetzung dafür. Hier findet eine radikale Auslöschung des Selbst statt, indem die eigene Lebensenergie und -empfindung abhanden geht. 

Das heißt, man stellt tatsächlich alles, auch das Einssein, die Verbindung zum eigenen Sein - zu Gott, zur Disposition. Damals hatte ich mein Liebstes, das Sein in mir gefunden und war eins mit ihm und nun sollte es wieder gehen? Ich erlebte meine Suche sehr schmerzhaft, meine Sehnsucht nach Hause kommen zu wollen war so groß und verzehrend, dass alle meine Zellen in mir darauf ausgerichtet waren. Nun aber spielte das Bisherige überhaupt keine Rolle mehr, diese Ebene war wie ausgelöscht. Ich konnte auf nichts mehr zurückgreifen. Es gab keinen Gott und kein Sein mehr, keine Liebe, nichts. Es ist ein unvorstellbarer Zustand, weil einfach NICHTS mehr bleibt. Dieser Prozess des sich Lösens und des Sterbens geschah über einen längeren Zeitraum, manchmal schleichend subtil und manchmal sehr radikal und heftig. Das innere Leerwerden geschieht weiterhin. Es macht Platz für Gott, der in sich selbst einzieht, der sich mit sich selbst vereint. Das ist dann der pure Ausdruck von Nichts und Liebe, was nicht mit Worten zu beschreiben ist und auch nicht mit einem Gefühl gefühlt werden kann. Es ist jenseits davon.

 

Aus diesem Grund ist es kaum mehr möglich, einen Impuls für etwas Bestimmtes wahrzunehmen, wie beispielsweise über das Thema schreiben oder sprechen zu wollen, weil es nichts mehr gibt, das etwas will und vor allem etwas braucht. Wozu sollte das auch gut sein? Jeder hat seinen ganz eigenen Weg und seinen sehr individuellen Seins-Ausdruck. Sobald jemand über seine innere Reise schreibt, ist der Suchende dazu geneigt, sie als feststehende Wahrheit zu betrachten und sie nachahmen oder kopieren zu wollen. Gott ist jedoch so kreativ und individuell, dass er niemals zweimal den selben menschlichen Ausdruck hat. Diese Worte hier können dich auf deiner inneren Forschungsreise nur inspirieren und berühren, dir aber nichts geben, weil du auch nichts brauchst. 

 

In der Zeit nach dem Erwachen hatte ich die Erkenntnis gewonnen, dass der Körper sterben kann, aber nicht das, was ich bin. DAS hat keinen Anfang und kein Ende, es ist jenseits von allem. Doch je tiefer ich das Mysterium meines Seins durchdrungen habe, und dabei spielt der Körper eine ganz zentrale Rolle, wurde mir immer bewusster, dass letztlich auch der Körper unsterblich ist. Es kommt einfach nur darauf an, wie tief ich mein göttliches Sein in jeder Zelle meines Körpers realisieren und manifestieren kann. Heute ist mir die Erkenntnis so logisch und klar, dass Gott in seiner reinsten Form formlos ist, das Absolute, reine Energie  - LICHT.

Dringen wir also tiefer in das Mysterium des Bewusstseins ein oder besser ausgedrückt, durchdringt es sich immer mehr selbst und ist sich seiner gewahr. Es entleert sich nach und nach von allen noch vorhandenen Energiemustern und menschlichen Bedürfnissen, bis die menschlichen körperlichen Zellen energetisch transzendiert sind.

 

Die innere Forschungsreise geh weiter…

 

 

Tanz der Liebe

 

Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe.

Diese "persönliche Liebe" ist begrenzt und gebunden an

Personen und Umstände. Sie stellt Erwartungen an das

Leben und hat Ansprüche an sich selbst und an andere.

Wenn diese nicht erfüllt werden, zieht sie sich möglicherweise

beleidigt zurück und verschließt sich, oder sie kämpft mit noch mehr Einsatz.

Diese Liebe glaubt, dass sie den anderen erst dann lieben kann,

wenn er sich endlich verändert und gebessert hat.

Sie glaubt geliebt zu sein, wenn sie gebraucht wird.

 

Sie berechnet und ist nur dann bereit zu geben, wenn sie sicher ist,

dass sie auch bekommt.

Das, was sie erhält, möchte sie festhalten und besitzen.

 

Diese persönliche Liebe kann sich nicht einfach verschenken, weil sie glaubt,

sich zu verlieren und nicht mehr zu sein.

Aus dieser Angst heraus, beginnt sie zu kontrollieren und zurückzuhalten.

Nur wenn alles nach ihren Vorstellungen verläuft, ist sie bereit,

sich zu öffnen.

 

Sie will niemals verletzt werden und schützt sich deshalb.

Sie zeigt nicht ihr wahres Gesicht, aus Angst, ihr Gesicht zu verlieren.

Sie wägt ab und schaut voraus, um möglichen Gefahren auszuweichen

und kein Risiko einzugehen.

Sie denkt, das Leben ist gefährlich und ist deshalb immer auf der Hut.

 

 

Glaubst du wirklich, dass du dich nach dieser Liebe sehnst und dass dich diese Liebe dauerhaft glücklich machen kann?

Glaubst du, dass du dich in diese Liebe fallen lassen kannst?

Wirst du von ihr tatsächlich geliebt – so wie du bist?

 

 

Bei genauerem Hinsehen ist klar, dass diese Liebe mit Angst verwechselt wird.

 

 

Die absolute „bedingungslose“ Liebe kann niemals an eine Person oder einen Umstand gebunden sein.

Sie ist völlig frei, weil sie nichts braucht.

 

Sie geht über begrenztes Denken und menschliche Unzulänglichkeiten hinaus.

 

Sie hat keinen Namen und doch erscheint sie als Alles und trägt jeden Namen.

Sie erscheint als deine Partnerin und deinen Partner, als deine Kinder und Tiere.

Sie erscheint als deine Freunde und Feinde.

Sie erscheint als genau das, was ist und wie es ist.

 

 

Die Liebe ist eine Tänzerin, die jede beliebige Form und Ausdruck wählt.

Sie tanzt durch jede Situation, weil sie das Leben liebt.

Der Tanz lässt keine Bewegung aus,

und kein Schritt gleicht dem anderen.

Sie erscheint als Tänzer und Tänzerin,

obgleich sie niemand ist.

 

Sie braucht von niemandem die Liebe, weil sie sich immer selbst genügt.

Sie sucht keinen bestimmten Zustand, weil sie jeder Zustand ist.

Sie kann niemals verloren gehen, weil sie nichts und alles ist.

Sie kann deshalb auch nicht gefunden werden, weil sie schon immer hier ist.

 

Sie ist die Grenzenlosigkeit, in der sie als Grenze erscheint.

Die Liebe gibt sich bedingungslos dem Leben hin,

auch wenn sie hilflos und hoffnungslos erscheint.

 

Sie ist so unschuldig und frei, weil sie nichts weiß.

Für sie existiert kein richtig und falsch, weil sie immer das ist, was ist.

Aber sie erscheint als Richtig und Falsch, weil sie das Spiel der Zweiheit liebt.

Sie spielt Beziehung und ist doch immer nur EINS.

 

Sie tut, als könnte sie durch Anstrengung und Bemühung ein besseres Leben erreichen,

obwohl das beste immer genau hier ist, so wie es ist.

 

Die Liebe verschleudert sich, weil sie nur den Moment kennt.

Sie gibt sich immer voll und ganz, auch wenn sie dabei als Schmerz erscheint.

Sie ist gefährlich und riskant,

weil sie keine Angst kennt.

Sie schreckt vor nichts zurück.

 

Die Liebe kann nie wissen, was ist,

weil sie immer der Augenblick ist.

Sie sprengt das Gefängnis des Verstandes und verlässt jegliche gewohnte Gedanken.

 

Sie ist das unbedingte JA.

Erscheint sie mal als Nein – sagt sie Ja zum Nein.

 

Sie macht keinen Sinn, weil sie kein Ziel verfolgt.

Sie kann nichts hinzugewinnen,

weil sie die Leere und die gleichzeitige Fülle ist.

 

Sie erscheint als Mensch, der sich bemüht, diese Liebe zu erreichen.

Doch diese Bemühung braucht sie nicht, weil sie bereits Liebe ist.

Sie spielt so gerne das „tun-als-ob-Spiel“, in dem sie vorgibt, als könnte sie sich Liebe und Zuwendung verdienen und als müsste sie sich vor Verletzungen schützen.

Sie liebt das „Versteckspiel“, weil sie sich dadurch wieder finden kann.

 

Doch manchmal gibt sie ihr Geheimnis preis und lässt sich finden.

Sie zeigt sich als das, was IST.

Dann wird sie gesehen - immer und überall, in jedem und in allem.

Sie ist der Tanz der Liebe.

 

Es könnte gesehen werden...

 

Das freie bewusste Sein ist grenzenlos, nichts, still und leer. Andere Worte für das Namenlose und Unvorstellbare sind das Eine, Gegenwärtigkeit, Gott, ES, DAS. Absolute Präsenz des Gegenwärtigen, reine Energie und Schwingung. In diesem grenzenlosen und zeitlosen Raum des Seins spielt sich das Leben ab. Es erscheint als Alles und Jeden und drückt sich kreativ, lebendig, unmittelbar und spontan aus.

 

Durch die scheinbare Begrenzung des endlosen Seins auf eine Person, entsteht das Gefühl und der Glaube, ein eigenständiges Individuum zu sein mit freiem Willen. Der Körper scheint die Existenz des Ichs zu beweisen. Die Annahme, dass wir der Körper sind, basiert nur auf Gedanken und Gefühlen. Noch kein Chirurg hat je ein Ich im Körper gefunden. Bereits Wissenschaftler und Gehirnforscher haben entdeckt, dass Denken und Entscheidungen treffen nicht von einem Ich ausgehen, sondern durch einen neurochemischen Prozess ausgelöst werden, d. h. es  existiert keine separate Instanz im Körper, die das Leben denkt und lenkt. Wo ist das Ich, wenn wir tief schlafen? Im Tiefschlaf findet kein Denken statt, folglich existiert auch keine Person. Da ist einfach nichts. Erst wenn wir wieder aufwachen, kehrt das Ich in Form von Gedanken und Empfindungen und als kontrahierte Energie zurück. Automatisch wird die Ich-Geschichte als Tatsache aufgegriffen und durch gewohntes permanentes Denken bestätigt.

 

Aus der illusionären Perspektive eines Individuums erlebst du alles getrennt von dir. Hier bist du und dort sind die anderen. Es ist dir nur möglich, Gott oder das Einssein außerhalb von dir, als etwas Separates wahrzunehmen. Der Glaube, eine eigenständige Persönlichkeit zu sein, vermittelt dir einerseits das Gefühl, Schöpfer und Lenker des Lebens zu sein. Andererseits erlebst du aufgrund der Trennung Mangel und Leiden und fühlst dich nicht vollständig. Darauf folgt die Suche nach dem wahren Einssein, nach Erfüllung und Frieden.

Als Person bist du der Überzeugung, dass es deine Gedanken sind, die gedacht werden, deine Gefühle, die gefühlt werden und dass du die Bewegungen und Handlungen ausführst, die geschehen. Alles, was du siehst, wahrnimmst und was dir widerfährt, beziehst du auf dich. Dieser Ich-Bezug ist die Wurzel von Begrenzung und Leiden, weil in Wirklichkeit niemand existiert. Es ist die wirkungsvollste Täuschung zu glauben, dass du als Individuum das Leben beeinflussen kannst und dass es an dir liegt, was geschieht und wie es geschieht. Aufgrund dieser falschen Annahme nimmst du jedes Geschehen persönlich. Wenn jedoch in Begegnungen und Geschehnissen nichts hineininterpretiert und projiziert wird und wenn du sie nicht auf dich beziehst, dann ist das was ist. Schuldgefühle, Druck, Begrenzung, Anstrengung, Stolz und Arroganz würden einfach abfallen.

 

Es könnte gesehen werden, dass das natürliche Dasein einfach das ist, was ist. Es ist zusammenhanglos, bezugslos und absolut frei von irgendwelchen Bedeutungen, Wertungen und  Geschichten. Das Leben erfordert kein persönliches Kümmern und Eingreifen. Alles geschieht aus dem Moment heraus, völlig spontan und absichtslos. Das Sein ist so simpel und selbstverständlich, dass es unglaublich scheint, ohne (d)ich funktionieren zu können. Für den Verstand ist es weder möglich, diese Einfachheit zu verstehen, noch zu akzeptieren.

 

Wenn du diese Worte liest, bist du eingeladen, deine wahre freie Natur zu entdecken. Du begegnest ihr ununterbrochen und wirst von ihr geküsst. Wie könnte der Moment nicht richtig sein, wenn alles, wirklich alles, von dieser lebendigen Gegenwärtigkeit durchdrungen ist? Selbst du, der du vielleicht glaubst, getrennt von ihr zu sein, bist das pure freie Sein.


Egal, wo du dich befindest und was du auch tust, es ist immer das Eine, das sich selbst sieht, mit sich selbst spricht, sich selbst zuhört und sich selbst begegnet. Jedes Wort und nicht-gesprochene Wort, jede Bewegung und Nicht-Bewegung ist genau das, was ist. Es ist immer das Eine, das sich genau so ausdrückt, wie es sich eben ausdrückt. Folglich gibt es keine Schuld und nichts Falsches, weil das Leben einfach so ist wie es ist.

 

Befreiung geschieht, wenn die Illusion des Ichs vollkommen durchschaut ist und die scheinbare Begrenzung der Person sich auflöst in der Unendlichkeit des Seins. Es gibt nichts mehr zu schützen und zu verteidigen, nichts zu verbergen und nichts, wogegen du Widerstand  leisten müsstest. Was bleibt, ist unermessliches Sein in Frieden –  Staunen über das Wunder des Lebens.

 

DAS zu sehen und zu sein, ist die größte Freude und Liebe,
die uns erfüllt und Nichts sein lässt.

 

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