Transzendente Homöopathie -

          

und

    

           Die Transzendenz der Schatten oder "Die Motte geht ins Licht"

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Es ist wie eine innere Reise mit vielen Erkenntnissen und Erfahrungen, die ich im Laufe meiner 20 jährigen Arbeit als Homöopathin und Therapeutin machen durfte. 

Ich beschreibe hier, wie mir das Prinzip der Homöopathie immer mehr aufzeigte, wie der Mensch unbewusst funktioniert und wie dadurch Krankheiten, Probleme und Leiden entstehen. Wenn er sich aber auf seinen Bewusstwerdungs-Prozess einlässt, können sich ihm wunderbare Möglichkeiten auftun, die mitunter auch begleitet sind mit schmerzhaften Erfahrungen, bis sie dann in die Transformation und Heilung münden. 

Bewusstsein ist alles, worum es geht. Es ist unser stärkstes und wichtigstes Werkzeug, das mit unserem Geist und Körper, den Gefühlen und Reflexen korreliert und zusammenarbeitet. 

 

Ich schreibe hier über die Entwicklung meiner Arbeit und welche Erkenntnisse und Erfahrungen ich dadurch machen durfte. Sie können ein besseres Verständnis geben, wenn es um die Differenzierung zweier Ebenen geht, wenn man zum einen an der persönlichen Geschichte und Psyche arbeitet oder im Gegensatz dazu den revolutionären und radikalen Sprung in die wirkliche Befreiung wagt, die darüber hinaus führt.

 

Als ich mit meiner Tätigkeit begann, stand ich natürlich noch am Anfang von Wissen und Erfahrungen, was Homöopathie, Bewusstsein und wirkliche Heilung bedeuten.

 

Viele Menschen kennen die Klassische Homöopathie, die uns hilft, körperliche sowie psychische Leiden zu heilen. Obwohl die Homöopathie den ganzen Menschen individuell und sehr umfassend behandelt, ist diese persönliche Ebene trotzdem nur relativ und ziemlich begrenzt. Die Transzendenz jedoch lädt den Menschen ein, über sich selbst hinauszuwachsen und radikal sein konstruiertes und konzeptuelles Ich-Sein bis aufs Äußerste als Illusion zu durchschauen und sich davon zu befreien. 

 

Die Klassische Homöopathie basiert auf dem Grundsatz, Ähnliches mit Ähnlichem heilen.

Was heißt das? 

Das bedeutet, dass das, was schon in uns ist, z. B. ein Symptom, ein Verhaltensmuster oder ein Glaubenssatz, wird durch die von außen geführte ähnliche Information und Energieform geheilt. Auf der körperlichen Ebene kann sich das folgendermassen ausdrücken: Wenn jemand von einer Biene gestochen wird, dann wird diese Stelle rot, geschwollen, heiß und sie brennt. Erhält der Betroffene dann das homöopathische Arzneimittel Apis (= Biene), werden diese Symptome ziemlich schnell wieder vergehen. Wenn ein gesunder Mensch dieses Arzneimittel zu sich nimmt, kann es sein, dass er genau diese Symptome (Hitze, Schwellung, Brennen, Rötung) entwickelt, weil die Symptome zuvor nicht vorhanden sind. Wie sich der Homöopathische Grundsatz „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ auf der psychischen und geistigen Ebene ausdrückt, beschreibe ich später in diesem Text. 

 

Sehr schnell entdeckte ich damals, dass mich weniger das Verschwinden der körperlichen Krankheiten interessierte und die Verabreichung der Globulis, sondern vielmehr das tiefere Verständnis von Krankheit und Heilung. Ich erforschte, wie die Psyche und das Bewusstsein des Menschen funktioniert und das damit verbunde Heilprinzip, Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Dieses Prinzip musste ich nicht lernen, das Verständnis dafür war schon lange in mir, so dass es mir leicht fiel, es in der Arbeit mit den Menschen und an mir selbst anzuwenden. 

Es war klar, dass alles, was mir im Außen in Form von Menschen, Situationen, Eindrücken, Gesten oder Stimmungen widerfährt, eine Spiegelung meines Innersten ist. Oder anders ausgedrückt: ich kann die Menschen und die Welt nur so wahrnehmen und erleben, wie diese in mir geglaubt und als Wirklichkeit abgespeichert ist. Die Speicherung hängt von verschiedenen Faktoren ab wie beispielsweise die Gene, die Erziehung, das Umfeld, Gedanken, Meinungen, Konditionierung und Erfahrungen. Letztlich aber bringen wir die Themen einfach mit und sie werden nur durch die verschiedenen Faktoren verstärkt und zum Ausdruck gebracht.

 

Zu Beginn habe ich gesagt, dass die persönliche Ebene nur relativ ist und sehr begrenzt. Diese Erfahrung habe ich nach vielen Jahren therapeutischer Arbeit mit Klienten und mit mir selbst gemacht. Mir wurde immer mehr bewusst, dass alles, was wir denken, fühlen, erfahren und uns vorstellen, innerhalb eines gewissen Rahmens abläuft. Jeder Ablauf wird auf das Ich bezogen. Innerhalb diesem ich-haften Rahmen können wir uns zwar verändern, aber der Rahmen und die Grenze bleibt. Irgendwann wollte ich weiter, ich wollte diesen Rahmen sprengen, ich wollte unbedingt frei sein. Mir war bewusst, dass ich mich bisher im Kreis drehte, immer um meine eigene Ich-Achse. 

 

Um sich aus der identifizierten begrenzten Personen-Ebene befreien zu können, muss man zuerst verstehen, wie sie aufgebaut ist und wie sie funktioniert. Diese Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen, deshalb begrenze ich mich nur auf kurz zusammengefasste Punkte, die die Entwicklung des Menschen gut darstellen. 

 

 

 

Die Entwicklungsstadien des Menschen

 

Was ich hier nun über mögliche Entwicklungsstadien des Menschen schreibe, ist kein feststehender Ablauf und auch keine Wahrheit. Sie ist einfach nur eine Beschreibung, die als Landkarte dienen kann und die jederzeit wieder weggelegt und verworfen werden kann. Erik Erikson hatte vor 1959 eine Beschreibung der psychosozialen Entwicklung des Menschen entwickelt, die heute noch in der Psychologie angewandt wird. Es geht dabei um die Phasen, die ein Mensch von Geburt bis zu seinem Tod durchläuft. Der Mensch gerät dabei immer wieder in Krisen, deren Lösung seinen weiteren Entwicklungsweg bahnt. Sie sind also notwendig, damit er sich weiterentwickeln und entfalten kann. 

 

Wenn man die Entwicklung des Menschen betrachtet, dann beginnt sein Entstehen nicht erst mit der Geburt, sondern schon davor mit der Zeugung und die Zeit der Schwangerschaft. 

Ich habe so viele Menschen erlebt, die mir sagten, dass sie gar nicht auf die Welt kommen wollten, dass sie diese Welt viel zu grob und hart empfinden und hier nur schwer zurecht kommen. Manche erleben sich immer noch unbewusst in der Einheit mit Gott oder einem geistigen Ort jenseits dieser Welt, wo sie sich geborgen und sicher fühlen. Doch dann steht die Entscheidung für die Geburt an, für das eigenständige individuelle Leben, eine Existenz anzunehmen. Manche müssen sich durch den Geburtskanal kämpfen, andere sterben noch im Mutterleib und wieder andere kommen leicht durch. Hier wird bereits der erste Schritt zur Trennung eingeleitet. Damit wir uns weiterentwickeln und unserer selbst bewusst werden, muss die Einheit scheinbar aufgelöst werden. Nur so kann man sich als getrenntes individuelles Wesen erfahren. Durch den Trennungsschmerz stehen wir dann vor der großen Herausforderung, die gleichzeitig auch als unsagbare Gnade gesehen werden kann, wieder in die Einheit als selbst-bewusstes Wesen zurückzukehren. 

 

Die Geschichte von Adam und Eva beschreibt diesen Schritt sehr schön, wie sie sich eins mit Gott und allem fühlen. Das ist das Paradies oder der Himmel, von dem Jesus spricht. Aber Adam und Eva sind sich dessen noch nicht bewusst, so wie auch ein Säugling noch unbewusst in der Einheit ist. Aus diesem Grund müssen sie in die Trennung, um dann die Reise nach innen anzugehen, die wieder in die Einheit führt. Diesmal aber als bewusstes Wesen, das sich seiner Selbst bewusst ist. Damit Adam und Eva den Bewusstwerdungsweg gehen, ließ Gott sie durch die Schlange verführen und hat sie damit aus dem Paradies der Einheit geworfen. Die Trennung war nun vollzogen. Die Verführung durch die Schlange und dass sie sich darauf einließen, war nicht falsch, sondern not-wendig, damit sie sich - so wie wir auch - auf ihren inneren Weg machen, durch Schmerz und Leid der Trennung gehen, um dann das Eins-Sein in sich wieder zu erleben. 

 

 

Zurück zur Entwicklung des Menschen

Nach der Geburt gibt es eine Phase, in der sich der Säugling immer noch eins fühlt mit allem. Er ist sich seiner selbst jedoch nicht bewusst. Wenn das Kind in dieser Phase stecken bleibt, möchte es nicht aus der Einheit und wird immer künstliche Einheitszustände herstellen. Es wird sich später schwer tun, in der Welt wirklich Fuß zu fassen und die Materie und den Körper anzunehmen. Ist es nicht verständlich, dass Menschen, die sehr stark in dieser Phase stecken, später den Weg der Spiritualität gehen und sehr viel Interesse am Erwachen und der Erleuchtung haben? Viele träumen sich immer wieder weg und/oder nehmen Drogen, um nicht wirklich im Körper und in der Welt sein zu müssen und sich dem Ist-Zustand stellen zu müssen. Die Sehnsucht nach Spiritualität und Erleuchtung verkörpert ihren „Traum“ einer besseren und heileren Welt. Aber wenn sie nicht lernen, die Materie und den Körper anzunehmen und durch den Schmerz und das Leid der Trennung zu gehen, wird die Einheit ein Traum bleiben. 

 

Die nächste Phase, in der sie stecken bleiben können, beschreibt den inneren Zweifel: soll ich mich jetzt wirklich auf die Welt einlassen oder möchte ich nicht doch wieder zurück in meine Traumwelt, wo alles schön und heil ist? Da kann ich nicht verletzt werden, da kommt mir niemand zu nahe? Sie fühlen sich hin- und hergerissen, können sich nicht entscheiden und sind weder hier noch dort. 

 

In der weiteren Phase besteht die Möglichkeit, dass sie eine riesige Kraft in sich entdecken und sie möglicherweise auch einzusetzen. Sie lösen sich aus Abhängigkeiten und kommen mit ihrem eigenen Willen in Berührung. Das Kind entdeckt, dass es seinen Stuhl zurückhalten kann, dass es Nein sagen kann und sich der Mutter widersetzen kann. Es entdeckt eine Kraft in sich, die sich meistens als Wut ausdrückt, um gewisse Regeln zu durchbrechen und aus abhängigen Bindungen sich zu lösen. Hier entstehen die ersten Anfänge des Ich-Willens, im Alter von ca. 1-3 Jahren.

 

Später geht es um die Themen von Familie und Versorgung und Nahrung. Inwiefern bin ich fähig, für mich selbst zu sorgen und meine Bedürfnisse zu befriedigen oder brauche ich immer noch die Mutter oder später den Partner dafür? Sie können das Gefühl haben, zu wenig bekommen zu haben und erleben immer wieder Mangel und Knappheit. 

 

Danach wollen sie sich über Leistung definieren. Sie möchten gesehen werden und über die Leistung und das Wissen Anerkennung erhalten. Sie suchen nach Vorbildern und Autoritäten, die sie vielleicht bewundern oder gegen die sie kämpfen. Der Verstand wird stärker und das Ego wird nun stabiler und immer mehr gefestigt. Hier kann der Verstand und die Kontrolle so stark werden, dass sie das Herz, die Gefühle und die Intuition mehr und mehr unterdrücken oder sogar abspalten. 

 

Dann geht es weiter, wenn das Ego gut ausgebildet ist und sich als Individuum behaupten kann, dass es sich einen Platz innerhalb einer Gruppierung und der Gesellschaft als Individuum sucht. So stellt sich die Frage, inwiefern kann ich mich von der Gruppe als Individuum abheben und trotzdem ein Teil von ihr sein? 

 

Ja, und dann? 

 

Wenn das Ego so gut ausgebildet ist und die Identifizierung im Laufe dieser Entwicklung immer stärker geworden ist, kann der natürliche Weg der Loslösung beginnen. 

Wenn wir alte Menschen beobachten, können wir manchmal sehen, dass sie den Prozess der Loslösung auf natürliche Weise geschehen lassen. Sie verlieren allmählich das Interesse an der Welt, sie brauchen nicht mehr die unbedingte Anerkennung für ihr Ego und ziehen sich mehr und mehr von dem äußerlichen Geschehen, der Welt, zurück. Wenn sie an diesem Prozess nicht von Außenstehenden, Institutionen und Familie wieder in das Weltgeschehen zurückgezogen werden und sich diesen inneren Rückzug selbst gestatten und ihn bewusst zulassen würden, könnten sie immer mehr in die Stille und Leere fallen. Das wäre der natürliche Prozess, der sie auf das große Loslassen - das Sterben - vorbereitet. Die größte menschliche Erfahrung, die wir machen können - wir legen das persönliche Kleid ab und gleiten wieder zurück in die Einheit.

 

Da die Lösung und Befreiung seltenst freiwillig geschieht, wird sie durch das Leben, d. h. mit Hilfe unserem Sein, von Gott, herbei geführt. Das geschieht nicht nur im Alter oder erst, wenn das Ego stark genug ist. Die Chancen und Herausforderungen für das Loslassen geschehen immer dann, wenn der Mensch im Widerstand und im Kampf ist, wenn er gegen sich und das Leben arbeitet und von seinem inneren Weg abkommt. So kann dies auch schon in jungen Jahren geschehen.

 

Die Transzendenz ermöglicht diesen radikalen Schritt, der über das Person-sein hinausgeht und in die absolute Befreiung führt. Dies erfordert einen inneren Prozess der Selbsterforschung und die Befreiung aus gewohnten Gedanken- sowie Verhaltensmustern und Abläufen. Dabei können auch homöopathische Arzneimittel wie Mineralien, Pflanzen, Tiere, Nosoden und Imponderabilien und natürlich auch andere Methoden den Prozess unterstützen. Sehr zu empfehlen ist der direkte Kontakt mit einem spirituellen Lehrer, der bereits wach ist und authentisch und wahrhaftig in seinem Dasein.

 

 

Ähnliches mit Ähnlichem heilen

 

Wenn Menschen in ihrer Entwicklung in einer bestimmten Phase stecken und nicht weiterkommen oder sich die Ereignisse oft wiederholen, dann können sie ein entsprechendes Mittel erhalten, das genau diese Information und Energie enthält, die dem jeweiligen Zustand entspricht. Erinnern wir uns an den Grundsatz: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Das heißt, das Thema korreliert dann energetisch in ihnen und sie werden sicherlich auch durch gewisse äußere Umstände damit konfrontiert, bis sie das Muster als solches durchschaut haben. Dann hat es seinen Zweck erfüllt und kann von ihnen ab- bzw. wegfallen. Wenn beispielsweise ein Sohn glaubt, seiner Mutter helfen zu müssen, weil sie krank ist und von ihrem Mann verlassen wurde, dann wird er später immer wieder an Frauen geraten, die er schwach und hilfebedürftig sieht. Er schaut aus seinem Muster heraus, das wie ein Filter oder Dias wirkt und ihn dazu veranlasst, Retter und Helfer für andere zu sein. Er sieht nicht, was wirklich ist, dass die Frau vielleicht gar nichts braucht, sondern er sieht sie schwach und bedürftig. Das ist sein Dias/Filter oder Muster, durch das er schaut und entsprechend erlebt. Erst wenn er sich dessen bewusst wird, dass dieser Glaube und das dazugehörige Verhalten einfach nur ein konditionierter Glaube ist, der in ihm abläuft, kann er sich daraus befreien und die Frauen dann anders wahrnehmen. 

 

Ein anderes Muster könnte sein, dass sich beispielsweise eine Frau immer wieder von Freunden oder ihrer Familie ausgegrenzt fühlt. Sie erlebt dann solche Ereignisse, die ihr inneres Muster in ähnlicher Weise widerspiegeln. Sie glaubt, dass die Menschen sie wirklich nicht mögen. Dieser Glaube und ihr entsprechendes Verhalten darauf bestätigen sich permanent selbst, so dass sie keine Zweifel hat, dass die Welt und die Menschen so abweisend sind, wie sie sie erlebt - nämlich ablehnend.

In beiden Fällen tritt "das Ähnliche" als Spiegelung von Außen an den Betreffenden heran. 

 

Je mehr man sogenannte „Trigger“ nicht wahrhaben will und sie wegdrückt oder vor ihnen wegläuft, um so massiver können sie auftreten. In der Homöopathie sprechen wir dann von einer Hochpotenz des Arzneimittels. Je massiver der Widerstand in einem ist, um so stärker erlebt man die Spiegelung von Außen. Darin liegt natürlich auch die große Chance zur Befreiung. Es ist ein massiver innerer Weckruf, den man von Außen, letztendlich von seinem inneren Sein, erhält.

Bist du dann wirklich bereit, diese Herausforderung oder das Geschenk anzunehmen und hinzuschauen? 

Jeder erhäl täglich unzählige Gelegenheiten, seinen gewohnten Mustern, Schatten und Glaubenssätzen bewusst zu werden und sich immer mehr von ihnen zu befreien. Es liegt dann an jedem selbst, ob er sich auf seinen inneren Transformations- und Integrationsprozess einlassen möchte oder nicht.

 

Diese scheinbaren Inszenierungen, die ablaufen und gespiegelt werden, geschehen nur aus Liebe, nicht, weil man etwas falsch macht oder weil Gott und das Leben einen ärgern möchte. Jeder wird so oft diese Szenen erhalten und durchleben und fühlen, bis er sie als „Traum“ vollständig durchschaut hat und sich aus diesen Mustern befreit hat. Er erlebt dann die Transzendenz, wenn er aus dem freien bewussten Sein sieht und wahrnimmt, was wirklich ist. Aus der Dualität wird Non-Dualität. Er betrachtet und erlebet dann die Welt aus einem inneren Frieden heraus und sieht, dass alles gut ist wie es ist. 

 

 

 

Der homöopathische Prozess

In der homöopathischen Behandlung versuchte ich zum einen herauszufinden, in welchem Stadium der menschlichen Entwicklung die Person steht. Wodurch fühlt sie sich blockiert und behindert und kann sich deshalb in ihrem Bewusstsein nicht weiter vertiefen? Was ist der rote Faden oder das Thema, das sich durch das ganze Leben zieht?

Wenn diese Stelle bzw. der rote Faden sehr präzise herausgearbeitet werden kann, ist es leichter, ein entsprechendes Mittel zu finden. Es muss genau diese Information und Energie enthalten, die dem momentanen Stand des Menschen entspricht. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Person in ihrer Beschreibung so tief gehen kann, dass sie direkt aus der Quelle des homöopathischen Arzneimittels ihre Empfindung präsentiert. Auf dieser Ebene hat der Verstand keinen Zugriff mehr und wenn er mithören würde, dann würde er sich wundern, welche Worte oder sogar Unsinn da gesprochen wird. Das Energiemuster, das also bereits vorhanden ist als Glaubenskonzept und Verhaltensmuster wird bestenfalls erkannt und in Form von Globulis dem Menschen gereicht. Die Globulis sind nichts anderes, als die Information und das Thema, worunter der Patient leidet, was er in energetischer Form zu sich nimmt. Das Ähnliche, das im Patienten als Muster bereits angelegt ist, wird durch ein ähnliches Arzneimittel verabreicht und korreliert nun im Geist und im Bewusstsein und im Körper des Patienten. 

 

 

Hierzu ein Beispiel:

Angenommen, eine Frau tut sich schwer, hier in dieser Welt Fuß zu fassen. Sie hat immer wieder neue Jobs und zieht vielleicht öfters um. Dieser Wechsel spiegelt sich auch in ihren Beziehungen wider. Gerne reist sie nach Indien, weil sie das Leben dort so frei und entspannend findet. Sie verbringt dort immer wieder für einige Wochen ihre Zeit, wo sie Yoga macht und meditiert und das Gemeinschaftsleben genießt. Deutschland findet sie spießig und langweilig und hat Probleme mit den Regeln und Begrenzungen. In ihrem Heimatland hat sie immer wieder rheumatische Schmerzen und Hautprobleme. Diese Frau würde ein homöopathisches Arzneimittel bekommen, das genau diese thematische und evtl. auch körperliche Entsprechung hat, nämlich, dass sie gerne aus der Welt flüchtet und sich eine eigene Traumwelt und geträumte Spiritualität erschafft, die scheinbar heil und ohne Gefahr ist. Darin fühlt sie sich frei und leicht. 

Wenn dann ihre körperlichen Beschwerden weitgehend verschwunden sind und sie die Reisen nicht mehr als Flucht benutzt und sie sich mehr in der Welt integrieren kann, ist das ein großer Schritt und die Voraussetzung für den weiteren Heilungsprozess. Natürlich kommt es darauf an, wie tief sie sich darauf einlassen kann und möchte. 

 

 

 

Wie sieht die Heilung jenseits der homöopathischen Substanzen aus?

Während ich die Gespräche mit den Menschen und deren Veränderungen beobachtete, wurde mir immer mehr bewusst, dass wenn die homöopathischen Arzneimittel nur Energie sind und bestimmte Themen und Informationen enthalten, dann braucht es letztlich nicht immer die Verabreichung von Globulis. Wenn es uns möglich ist, uns mehr im Bewusstsein zu vertiefen und daraus wahrzunehmen, können wir uns dieser Energie und Information auf natürliche und gesunde Art bedienen und sie integrieren. 

 

Dies erfordert natürlich von dem Behandler einen bestimmten Grad an Bewusstheit, um den Hilfesuchenden in seinem Bewusstsein weiter führen zu können und natürlich auch ein tiefes Erkennen und Sehen dessen, was in dem Menschen vor sich geht und an welchem Punkt er momentan blockiert ist. Die eigentliche Voraussetzung liegt jedoch darin, dass der Hilfesuchende wirklich bereit ist, sich auf seinen eigenen Befreiungs- und Heilungsprozess einzulassen und sich aktiv daran beteiligt. Mir wurde immer klarer, dass ich selbst das homöopathische Heilmittel in der Begegnung meines Gegenübers spiegle, so wie uns alles jederzeit gespiegelt wird. Das erlebte ich schon immer, wenn ich mit Menschen gearbeitet habe, mit oder ohne Globulis. 

 
 

 

Das Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ wirkt permanent, denn die Welt ist in uns und im Außen spiegelt sie sich uns wider auf ähnliche Weise.

 

Als die Illusion des Ich’s von mir abgefallen war und ich zutiefst wußte, dass wir nicht das sind, von dem wir glauben, dass wir es sind, war es mir noch leichter möglich, einfach leer und offen meinen Klienten gegenüberzusitzen. Ich konnte beobachten, wie die Worte einfach aus mir herausflossen und meine Wahrnehmung immer klarer und feiner wurde. Alles, was vorher schon möglich war, wurde jetzt noch differenzierte und durchlässiger. Ich konnte den Menschen immer klarer sehen und wahrnehmen, wie er sich in seinem Traum befindet und von seinen Gedanken und Mustern beeinflusst wird, weil er sie glaubt. Gleichzeitig sah ich aber auch das wahre Sein, das bereits frei da ist, aber nicht durchdringen kann.

 

Ich beobachtete, wie unterschiedlich ich in diesen Begegnungen mit den Menschen sprach und wunderte mich manchmal darüber, wenn die Worte in einem Moment sehr radikal und konsequent gesprochen wurden und in einem anderen Moment sehr verständnisvoll, weich und liebevoll. Mir wurde bewusst, dass das, was zum Ausdruck kam, das ist, was in dem Gegenüber bereits angelegt ist, vielleicht aber noch nicht in seinem Bewusstsein. Ich wurde deren Spiegelfläche, der ihr angelegtes Muster im Jetzt reflektierte und zum Ausdruck brachte. 

Sie sind ein Geschenk, wenn sie einfach nur gesehen werden und da sein dürfen. Wenn das möglich ist, ist das bereits der erste Schritt für Transformation und inneren Frieden.

Die Spiegelung eines spirituellen Lehrers oder Freundes betrifft aber nicht nur die unangenehmen Muster und Schattenseiten, er spiegelt natürlich auch das göttliche Sein, das jeder Mensch ist. So kann der Suchende in seinem Gegenüber auch den Frieden, die Liebe und die Freiheit sehen, um sie dann nach und nach immer mehr in sich selbst zu entdecken und zu erleben.

 

 

 

 

 

Die Transzendenz der Schatten

 

oder

 

"Die Motte geht zum Licht"

 

 

 

 

Zunächst möchte ich noch etwas ausführlicher über Schatten schreiben, um bewusst zu machen, was genau losgelassen und transformiert werden kann. Schatten sind Muster, die automatisch und meistens reflexartig im Menschen ablaufen. Ich nenne sie deshalb Schatten, weil sie erstmal nicht erkannt werden als solche. Sie sind immer hinter deinem Rücken und wenn du dich umdrehst, drehen sie sich mit um. Das heißt, man tut sich zuerst mal schwer, sie wirklich zu erkennen. Es sind Verhaltensweisen, die man selbst an einem nicht mag, die man ablehnt und nicht wahrhaben will. Man kann sie sich wie eigene Kinder vorstellen, die man am liebsten wegsperren möchte, weil sie unangenehm und lästig sind. Sie fordern einen heraus, geben keine Ruhe, sie lösen Wut oder Traurigkeit in einem aus und machen einen hilflos und ohnmächtig. Sie konfrontieren einen mit Angst oder einem Schmerz, dem man nicht ausweichen kann. Man merkt, dass man das spontane Leben mit all seinen Unvorhersehbarkeiten nicht kontrollieren und in Griff kriegen kann. Dem identifizierten Menschen fällt es meistens schwer, sich diese schattenhaften Emotionen und Ausdrücke einzugestehen und sie da sein zu lassen. Alle diese Gefühle wären in Wirklichkeit nicht schlimm, wenn sie einfach nur als Gefühle gefühlt werden würden. Vielleicht bekommen heute noch manchmal Kinder die Gelegenheit, dass sie ein Gefühl einfach zulassen dürfen, ohne dass es gleich von den Eltern und Erwachsenen bewertet wird und das Kind sich schuldig oder schlecht fühlen muss. Aber schon bald lernen sie, diese wegzudrücken, weil sie glauben, dass sie nicht richtig sind und weil sie die Erfahrung machen, dass sie mit diesen Gefühlen nicht akzeptiert und geliebt werden.

 

Die Hauptthemen, mit denen der Mensch in seinem Leben konfrontiert wird und die sich irgendwann als Schatten zeigen, sind eigentlich schon bei der Geburt vorgegeben. Die Landkarte ist schon gezeichnet oder anders ausgedrückt, die Festplatte ist bereits programmiert. In den ersten 3-4 Lebensjahren erlebt das Kind diese Themen durch bestimmte Ereignisse, die manchmal nur oberflächlich geschehen und andere jedoch sehr intensiv und prägnant zum Ausdruck kommen. Der Verstand macht daraus seine eigene Schlussfolgerungen und diese werden emotional und energetisch tief in die Zellen eingebrannt. Danach sind es nur noch Wiederholungen der gespeicherten Glaubens- und Verhaltensmuster, die sich dann so tief eingraben, dass sie manchmal bis aufs Äußerste verteidigt werden. Diese Erfahrungen können nicht verhindert werden, denn die Identifizierung als getrennte Person braucht es, damit der Mensch überhaupt aus der Unbewusstheit in die Bewusstheit und aus der Trennung in die Einheit gelangen kann. Es läuft also nichts falsch, alles ist genau richtig wie es ist. Das Kind wächst genau in der richtigen Familienkonstellation und Umgebung auf, hört die Worte, die es hören soll und macht genau die Erfahrungen, die es braucht, damit es irgendwann die Möglichkeit hat, sich seinem wahren Selbst immer mehr bewusst zu werden. So kann jeder für sich selbst herausfinden, ob er sich auf diesen Lebensprozess einlassen möchte oder nicht und ob er überhaupt für ihn dran ist.

 

 

 

Die Identifikation und der Ausdruck von Schatten ist also schon vorprogrammiert, die Frage ist nur, wie geht man damit um? Sie wirken wie ein Filter, in dem der Verstand durch Informationen, Interpretationen und Bewertungen das Wirkliche verzerrt und verwischt. Diese Filter sind gefärbt durch Emotionen und drücken sich über den Gefühlskörper aus, so dass das ganze Szenarium auch glaubhaft und echt erscheint. Auf diese Art und Weise wirkt das homöopathische Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen und transformieren“ permanent. Der Mensch wird ununterbrochen gespiegelt und erhält unzählig viele Gelegenheiten, in denen seine Muster und geglaubten Gedanken auftauchen und ihn triggern. Die gespeicherte Information, die zum Beispiel ein Mann in sich trägt und glaubt, dass er anderen Autoritäten und letztlich seinem Vater beweisen muss, wie gut er ist, wird sich in seinem Alltag immer wieder spiegeln und für ihn erlebbar gemacht. Das ist das homöopathische Prinzip. Manchmal läuft es sanft ab und manchmal wird es hochpotenziert und er erlebt einen immensen Druck und Stress beispielsweise in seiner Arbeit, wo es um Leistung, Beweis und Autoritäten geht. Dieser homöopathische Ablauf braucht er immer wieder, bis ihm vielleicht irgendwann tiefer bewusst wird, dass alles, was er tut, er nur für seinen Vater tut, um endlich die Anerkennung zu kriegen, die er als Kind nie erhalten hat. Aus diesem Verständnis heraus, das er sich selbst entgegenbringt und durch das zusätzliche körperliche energetische Spüren des Musters könnte er sich irgendwann daraus befreien.

Schatten halten sich aufrecht und ernähren sich durch Unbewusstheit und Verdrängung. Deshalb sind es immer nur die selben Wiederholungen von Mustern und Abläufen „…. und täglich grüßt das Murmeltier“. Sie sind schon lange nicht mehr neu, immer der selbe Film, der abläuft. Die Gedanken und Inszenierungen der Schatten wirken so echt und glaubhaft, dass sie mit der Wirklichkeit verwechselt werden. Immer wieder wird der Suchende von den Geschichten und Ereignissen getriggert und nicht in Ruhe gelassen. Er glaubt sie und hält an ihnen fest. Die Schatten geben einem das Gefühl, dass man sich vor dem Leben schützen muss und dass Gefühle und das Leben selbst gefährlich sind. Sie verdrehen die Wahrheit und inszenieren großartige und wahnsinnige Geschichten und Dramen, blasen sie stark auf und wenn sie geglaubt werden, fühlt man sich darin gefangen und lebt weiter in einer leidvollen oder rosaroten wahnhaften Traumwelt. Den Menschen geht es dann um Macht und Anerkennung und deshalb erleben sie Kriege, Hunger und Leiden. Würden sie für einen Moment innehalten und ihr Denken und ihre Handlungen hinterfragen, dann wäre das bereits ein guter Anfang für ihre Bewusstwerdung. Ein freier und wacher Mensch kann die menschlich-kollektiven Konzepte und das weltliche Geschehen als bloße Erscheinung und natürlich auch als wahnhaftes verrücktes Schauspiel sehen. Der Inhalt ist vollkommen leer und bedeutungslos. Trotzdem nimmt er es ernst, weil er weiß, dass es erst das Leid, den Wahnsinn und die Zerstörung braucht, bis dann die Transformation und der Frieden möglich ist. So findet das große Schauspiel der ganzen Welt kollektiv statt und jeder einzelne erlebt sein eigenes Theater aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Er sieht und hört immer nur das, was er sehen und hören soll und kann - je nach dem, wie seine innere Landkarte gezeichnet ist. Ein islamistischer Terrorist, der sein Leben und das der anderen opfert für Allah, um als Märtyrer in das Himmelreich einzuziehen, ist überzeugt davon, dass er das Richtige tut. Ein westlicher Europäer hingegen hat eine ganz andere Weltanschauung und verfolgt ein ganz anderes Ziel und glaubt auch, dass er das Richtige tut. Die Überzeugungen und Schatten in jedem Menschen wirken so lange, bis sie nicht nur durchschaut werden als wahnhafte Idee und Überzeugung, sondern irgendwann sogar verständnisvoll und liebevoll integriert und transformiert werden. Erst dann kann der Mensch in Frieden sein mit sich und der Welt.


Manche Muster und Schatten haben einen suchtartigen Charakter. Man fühlt sich regelrecht süchtig, an den wiederholten Geschichten und leidvollen Abläufen festzuhalten und ihren Inhalt zu glauben. Sie werden wie ein Mantra wiederholt und inszeniert. Manche fühlen sich sogar getrieben, immer das selbe zu denken und das selbe Verhalten abzuspielen, weil es scheinbare Sicherheit gibt. Möchte man sich daraus lösen, braucht es manchmal einen Entzug von dem gewohnten Ablauf. Zum Beispiel durch Innehalten, Hinterfragen und vor allem bewusstes Erforschen, um eine Unterbrechung zu erzeugen. Man muss sich abwenden wollen und bereit sein, etwas ganz Neues spüren und erfahren zu wollen. Ich hatte damals in meinem Prozess heftige Entzugsmomente des Verstandes erlebt, wenn sich seine gewohnten Abläufe so nicht mehr abspielen konnten und von mir nicht mehr geglaubt wurden. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass sich meine Schädeldecke innerlich hebt und sprengt und als würde das Gehirn allmählich austrocknen. Wenn ein Süchtiger seine Droge nicht mehr bekommt, schaut er gewöhnlich nach einer Ersatzdroge, er wechselt sie einfach nur aus und so ist es mit den Mustern auch. Werden diese nicht mehr befriedigt, wenn beispielsweise der Partner/-in nicht mehr auf die regelmässigen Vorwürfe reagiert, sucht man sich einen anderen „Schuldigen“. Deshalb wird beispielsweise eine Frau, die in ihrer Beziehung Gewalt erlebt hat und sich dann trennt, entweder zu ihrem gewaltvollen Partner zurückkehren oder sie erlebt mit einem anderen Partner ähnliche gewaltvolle Situationen. Nicht, weil sie es bewusst so wählt, sondern weil die Muster in ihr so wirken und der gewaltvolle Mann nach dem homöopathischen Prinzip ihr Heilmittel ist. Das heißt, sie wird die Erfahrung so lange machen, bis es ihr möglich sein wird, dass sie sich von der äußeren Geschichte abwendet und sich ihren inneren Gefühlen und Empfindungen, die sicherlich viel mit Gewalt zu tun haben, zuwendet. Denn hier ist der Ursprung ihres Leidens, an dem sie auch festhält. Von außen betrachtet scheint das Leben manchmal unerbittlich zu sein, wenn das Schicksal immer wieder von neuem zuschlägt und die Spiegelfunktion nicht sanfter, sondern noch radikaler wird. Wenn man selbst drinsteckt und dagegen kämpft, kann man kaum glauben, dass sich hier eine wunderbare Befreiungsmöglichkeit bietet. Es ist aber tatsächlich die Liebe des Seins, die dem Identifizierten immer wieder eine neue Chance schenkt, aus dem verrückten Spiel oder Film auszusteigen. Was das ganze so problematisch macht für den Identifizierten, ist, dass er immer eine Lösung in der Geschichte sucht. Aber die Geschichte ist ein Traum. Wenn man als wacher Mensch sieht, dass der andere träumt und im Traum sich bedroht fühlt und nun eine Lösung sucht und wegrennt, dann versucht der Wache ihn nicht darin zu beschützen, sondern er macht ihm bewusst, dass er gerade träumt. Er muss einfach nur aufwachen und realisieren, dass er gerade geträumt hat und schon braucht es keine Lösung mehr, weil kein Problem wirklich existiert hat. Der Ausweg ist nicht innerhalb der Geschichte zu finden, sondern aus der Geschichte auszusteigen, zu erkennen, es ist „nur“ eine Geschichte, eine Inszenierung oder eine Erscheinung.


Deshalb sind die Schatten und ihre Abläufe nicht schlecht oder böse, auch wenn sie sich oft so ausdrücken. Es braucht sie und die Identifikation mit ihnen, damit der Bewusstwerdungsprozess überhaupt möglich ist. Das bewusste Abwenden von den  gewohnten Glaubenskonzepten und die Hinwendung zum reinen Beobachten und Spüren ist der erste wichtige Schritt. Manche Themen, die sehr tiefgreifend geglaubt und erlebt werden, möchte man nicht angehen, sie machen Angst und man schämt sich und um so mehr werden sie festgehalten. Sie loszulassen wird auch manchmal als Verlust erlebt. Aber was genau wird verloren? Hier ist das genauere Hinschauen und Erforschen hilfreich. Verlieren kann man nur gewohnte Denkvorgänge und Leidensmuster, aber auch das Mangel- und Trennungsgefühl. Denn sie sind nicht wirklich, sie wurden künstlich aufgebaut.
 

Die größte Angst ist natürlich, dass man das Gesicht verlieren könnte. Das ist ein tiefer Verlust für das Ego, das die Anerkennung der anderen braucht und vor ihnen gut dastehen möchte. Es möchte nicht entlarvt werden und niemand soll seine Schwäche und Verletzlichkeit sehen. Es ist ein Unterschied, ob man offen ist für  befreiende Momente, dann lässt man sich „an die Wäsche“ gehen und so manche Hüllen können abfallen und es wird einem zunehmend leichter. Oder man versucht die offene Darlegung der Schatten zu verhindern, verteidigt sie oder verleugnet sie, dann wird der Prozess sehr schmerzhaft und anstrengend. Jeder Ablauf hat seine eigene Zeit. Man kann den Prozess nicht puschen, man kann nur dranbleiben und offen sein. Manche Muster müssen sich in der Dynamik und Kraft zuerst hochpotenzieren und steigern, bis sie dann irgendwann ihren Höhepunkt erreicht haben und dann reif sind für den Zusammenbruch und das Loslassen des Szenariums. Jeder Ausdruck ist richtig und läuft genau so ab, wie er eben sein soll.

 

 

 

Das Märchen „Der Froschkönig“ verdeutlicht sehr schön den Umgang mit den Schatten und deren Transformation. Das Mädchen findet den Frosch so ekelig und will ihn aus dem Haus schmeißen und ihn aus ihrem Leben haben. Doch er besteht vehement darauf, dass er mit ihr essen möchte, in ihrem Bett schlafen möchte…. er möchte nicht nur an ihrem Leben teilnehmen, er möchte sogar geküsst und geliebt werden. Hätte der Frosch irgendwann aufgegeben und wäre er gegangen, hätte die Transformation vom ekligen Frosch zum Prinzen nicht stattgefunden. Es brauchte also der Ablauf ihrer Schatten und sie musste sich darauf einlassen. Zuerst zickte sie und war im Widerstand und irgendwann konnte sie sich immer besser dem hingeben. Es braucht viel Demut und Geduld. Sie musste diesen Prozess des Ekels und der Ablehnung erleben und durchleben, bis sie sich irgendwann dem Frosch, sprich ihrem Schatten ganz hingeben konnte. Es ist aber nicht die Hingabe an das Muster, sondern an den Teil, der bisher abgelehnt worden ist. Erst dann kann die Integration und Transformation geschehen.
Es scheint, als stehe der Schatten zwischen dir und deinem natürlichen Sein. Als würde er dich immer mehr von Gott wegbringen, in die Trennung und in das Leiden. Wenn man nicht bewusst wird, dann erlebt man das so. Das zeigt das Weltgeschehen ganz deutlich. Wer aber aus seinem Traum erwachen und sich befreien möchte, der weiß, dass die Schatten es sind, die ihn zu sich nach Hause führen, zurück ins Leben, zu Gott in die Einheit. Es sind zwei Kräfte: die eine Kraft, die nicht gesehen werden möchte, die als Person bestehen bleiben will und die an der Trennung und am Leiden festhält und die andere Kraft, die Leben ist. Die erste kämpft dagegen und die andere ist einfach da, still und berührt von all dem.
Die Frage stellt sich: wohin geht deine Aufmerksamkeit? Was möchtest du?
Wer zum Licht möchte, kommt an der Dunkelheit nicht vorbei. Wenn die Motte sich lange genug in der Dunkelheit aufgehalten hat, wird sie möglicherweise irgendwann neugierig und nähert sich vielleicht vorsichtig dem Licht an und tanzt herum. Es ist ihre Natur, dass sie sich vom Licht angezogen fühlt. Irgendwann kann die Zeit reif sein, dass die Angst und Ablenkung keine Chance mehr haben und sie direkt ins Licht fliegt und dort verbrennt. Was bleibt, ist - Energie, LICHT, BewusstSEIN.
Sobald man die persönliche und relative Ebene überschreitet, bereitet man sich auf die Ebene der Transzendenz vor. Der Glaube und das Anhaften bzw. die Identifikation mit allen persönlichen und kollektiven Meinungen, Konzepten und Vorstellungen dürfen sich immer mehr lösen. Man stabilisiert das Sehen und Wahrnehmen aus dem Bewusstsein heraus. Das ist ein stilles Betrachten von dem, was auftaucht und innerlich abläuft.
Es ist ein stetiges inneres Entleeren und Los-lassen, um transparenter zu werden und in dem bewussten freien Dasein anzukommen. Das Bewusstsein ist sich seiner selbst gewahr. Das Gewusste und der Wissende lösen sich in der Stille auf. Der Verstand gibt seine Herrschaft auf und anerkennt die unendliche Kraft des Seins, als das All-Seiende. Die Form und Materie wird als formloses Bewusstsein wahrgenommen. Die Erfahrung von Dualität wird zur Non-Dualität. Alles scheinbar Getrennte kehrt zurück in das EINE.
STILLE - SEIN, jenseits von Erkennen, Wissen und Erfahrungen.

 

 

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