ARTIKEL UND VIDEOS VON MARIA UND JÖRG

Stell dir mal vor, eine fliegende Untertasse landet auf dem Planeten  Erde. Ein Wesen steigt aus. Viele Erdenbewohner sehen das und laufen zum Teil etwas vorsichtig, zum Teil sehr eilig zu dem Außerirdischen. Sie sind neugierig, wer er ist und was er hier macht. Einer aus der Gruppe fragt ihn: „Bist du Jesus?“

Er fragt zurück: „Warum Jesus?“

Der Fragende aus der Gruppe sagt dann: „Na ja, ich glaube an Gott, vor allem an Jesus, der für uns gestorben ist. Ich hoffe schon viele Jahre darauf, dass Jesus noch einmal zu uns Menschen kommt.“ Eine Frau aus der Menschenmenge ruft ihm zu: „Ich glaube und verehre besonders die Jungfrau Maria, weil sie es war, die den Sohn Gottes geboren hat.“ Wie ein Lauffeuer melden sich immer mehr zu Wort und bekunden ihre Meinung und Fragen. Der eine glaubt an Moses, der andere an Buddha und wieder ein anderer an Allah. Das außerirdische Wesen fragt die Menschenmenge: „Und wo sind diese Männer und Frauen, an die ihr glaubt und die euch anscheinend so viel bedeuten?“

Einer von den Menschen antwortet ihm, dass sie schon tausende von Jahren tot sind. Das Wesen fragt sie, wie sie Kontakt mit diesen Männern und Frauen haben? Ihre Lehren wurden überliefert und aufgeschrieben, allerdings erst viele Jahrzehnte, zum Teil -hunderte später, sagte einer. Was macht ihr mit diesen Lehren, befolgt ihr sie, fragt das Wesen? Einer sagt: „Na ja, wir versuchen diese Lehren zu befolgen, aber eigentlich verstehen wir sie gar nicht richtig. Aber sie geben uns irgendwie Halt und Orientierung. Wir fühlen uns dann besser, wenn wir sie hören und lesen.“

Also, meint der Außerirdische, ihr glaubt an Männer und Frauen, denen ihr nicht begegnet seid, die schon lange tot sind, deren Lehren andere Menschen - die diese auch nur vom Hören her kannten - erst viel später aufgeschrieben haben und diese Lehren befolgt ihr nun ein bisschen? Die Menschen aus der Gruppe, die ihren Glauben geäußert haben, waren daraufhin etwas verwundert und blieben still. Eine weitere Frau aus der Gruppe ruft plötzlich: "Ich glaube, dass die unendliche Liebe über uns kommt!“. Ja und was soll passieren, wenn sie dann kommt, fragte der Außerirdische? Die Liebe soll uns erlösen von dem Leid, antwortet sie und wie im Chor sprechen dann auch die anderen: "ja die Götter sollen uns von dem Leid erlösen!“

 

Eine andere kleine Gruppierung meldet sich zu Wort. Sie teilen mit, dass sie diesen vergangenen Geschichten weniger Glauben schenken, denn es ist bereits ein Neues Goldenes Zeitalter angebrochen, das jetzt alles möglich macht. Wir müssen nicht mehr auf den Erlöser und Retter warten, wir können heute in Kontakt mit erwachten Menschen sein. Sie sprechen die Wahrheit, von der Liebe und dem Frieden und man kann ihnen Fragen stellen und ihnen jederzeit zuhören und darüber lesen. Das ist so wunderbar. Sie sagen, dass wir DAS alle schon sind und in uns haben. 

Das Wesen erwidert: „Das ist ja wirklich eine gute Botschaft. Aber erlebt ihr das auch so oder glaubt ihr das auch nur, weil diese Erwachten euch das so sagen?“ 

Ein leises Raunen geht durch die Gruppe und dann erzählen manche, dass sie es wirklich nur glauben, dass sie Es sind und andere sind etwas nachdenklicher. Eine Frau möchte antworten, zögert kurz und sagt dann, dass sie es sich sehr wünscht und danach sehnt, aber dass sie es ehrlicherweise noch nie erlebt hat. Eine andere erzählt, dass sie einmal für einen Augenblick eine ganz tiefe Stille und Frieden erfahren hat, danach leider nicht mehr und deshalb versucht sie nun diesen Zustand immer wieder herzustellen. Andere sind da frohen Mutes und glauben, dass es sich schon irgendwann einstellen wird, denn bei den anderen Erwachten hat es ja auch geklappt. Wieder andere haben bereits resigniert, weil sie schon so lange mit diesen erwachten Menschen in Kontakt sind, aber so richtig verändert hat sich noch gar nichts in ihrem Leben. Vielleicht ist es doch nicht für jeden bestimmt?

 

Wieder andere aus der Gruppe melden sich zu Wort und schreien heraus: „Das mit der Religion und diesen komischen Erwachten oder dass es einen Jesus als unseren Erlöser gibt, ist doch alles Blödsinn und ein Märchen. Ich glaube nicht an diese Götter. Ich glaube, dass ich ein super Handwerker bin und davon lebe ich.“ Eine Frau neben ihm fügt hinzu: „Ja und ich glaube, eine großartige Hausfrau und Mutter zu sein, denn ich tue mein Bestes jeden Tag für die Familie, die ich liebe.“ Andere Menschen aus der Gruppe drängen sich etwas vor, um sich auch mitzuteilen. Sie haben ganz klar ihren Glauben gefunden, der darin liegt, sich total gesund und vegan zu ernähren. Ernährung ist alles, denn dann ist der Körper gesund, man fühlt sich fit und jung und kann das tun, wozu man Lust hat. Außerdem schützen sie dadurch auch die Tiere, denn sie haben auch ein Recht auf Leben. Andere mischen sich in das Gespräch ein und sagen, nur, wenn du dich im Leben genug bemühst und an dich glaubst, kannst du erfolgreich sein und es zu etwas bringen, so dass du dich im Alter sorgenfrei zurücklehnen und glücklich sein kannst. Das ist es, was wirklich funktioniert. 

Und wenn ihr eure Familie und Arbeit verliert oder die Natur zerstört ist und ihr auf einmal nichts mehr zu essen habt, was ist dann, fragte das Wesen? Daraufhin erwidern ein paar: „Dann wissen wir auch nicht mehr weiter. Dann bricht irgendwie alles zusammen, was uns Halt und Sinn gab.“

 

Das außerirdische Wesen blickt lange in die Menschenmenge und es scheint, als würde eine Ewigkeit vergehen. Ganz still ist es geworden. Dann sagt er zu ihnen: „Wenn ich euch so zuhöre, kann ich sehen, dass jeder von euch an gewissen Meinungen, Überlieferungen und Konzepten festhält und überzeugt ist, dass sie wahr sind. Mir kommt es vor, als würdet ihr alle mit offenen Augen träumen. Nichts von all dem, was ihr mir erzählt habt, hat mit euch und eurem wahren Wesen zu tun, im Gegenteil. Jeder Glaube an etwas schafft eine Trennung zu euch selbst. Kein Wort von euch hat mich berührt, weil sie alle aus euren Glaubensmustern kommen. Ihr seid noch nicht bereit, eure gewohnten Gedanken und Träume loszulassen. Ihr habt euch noch nicht auf den Weg gemacht, zu Erforschen und zu Schauen, was sich jenseits eurer Gedanken befindet. Ihr spürt noch nicht den tiefen Impuls nach Befreiung, aus eurer geistigen Trägheit und dem Hamsterrad aussteigen zu wollen, um die wahrhaftige Lebendigkeit eures Seins hier und jetzt zu entdecken. Ich bin zu früh gekommen. Vielleicht braucht es noch einmal einige Jahrtausend, wer weiß?“ 

Das außerirdische Wesen verschwindet in seiner Untertasse und fliegt dahin. 

 

Die wohl bekanntesten spirituellen Lehrer wie beispielsweise Buddha und Jesus wollten sicherlich weder eine Religion gründen noch hatten sie Interesse an einem Personenkult. Jesus wies darauf hin, dass das, was er getan hat, auch wir tun können. So können wir Gott nur in uns selbst entdecken und eins mit ihm sein. Der Glaube an einen Anderen, der uns erlöst und es für uns tut, ist ein Wunschtraum, der nur die eigene Selbstfindung verhindert. 

 

„Wir können es auch tun“ - 

wann bist du dafür bereit? 

 

Viele meinen, dass man doch an etwas glauben muss, weil sie darin Halt und Sicherheit finden und eine Art Orientierung. Wäre es nicht angebracht, in unserer heutigen fortgeschrittenen Welt und wo wir doch so intelligent sind, dass wir diesen Glauben einmal genauer erforschen und hinterfragen?

Kann uns der Glaube an eine Lehre oder an einen Menschen wirklich Halt geben? Sehen wir uns um auf diesem Planeten Erde: die Politiker versprechen uns Frieden und Sicherheit und dass für alle Menschen gesorgt wird in ihren jeweiligen Zu- und Umständen. Ist das so? 

Die Priester und verschiedene Religionen versprechen, dass ihr jeweiliger Gott sie aus ihrem Leid befreit. Ist das wirklich so? Erleben wir die jeweiligen Gläubigen und die Priester als befreit und in Frieden oder bilden wir uns das nur ein? Dass die Priester und Gläubigen trotz der vielen Gebete und Kirchgänge immer noch leiden und sich getrennt fühlen und manche Priester trotz ihres Glaubens pädophil sind und wieder andere im Namen ihres Gottes sogar andere Menschen erbarmungslos morden und sich selbst auch? 

 

Was ist mit unserem Ethikempfinden und unseren Werten, an die wir glauben und die uns wichtig sind? Es zeigen immer mehr politische Populisten und auch andere, dass jegliche Orientierung an moralischen Werten nur ein Schein waren. Wo es früher noch ein inneres Gewissen und Grenzen gab, werden diese heute gnadenlos übergangen und alles ist jederzeit möglich. 

 

Müssen die Werte und Orientierung wegbrechen,

damit wir anfangen, Gott in uns zu finden?

Damit unser Blick endlich von außen nach innen geht?

 

Brauchen wir den Glauben nur so lange,

wie wir nicht wissen?

 

Menschen glauben an verschiedene Religionen, an die Wissenschaft, an die Medizin und die Ärzte, an Esoterik, an ihren Beruf sowie ihre Rolle in der Familie. Einige glauben sogar, dass sie alles unter Kontrolle haben. Oft sind es komplizierte Glaubenskonzepte mit vielen Widersprüchen, in die sich kaum jemand ernsthaft eingearbeitet hat. Obwohl die Menschen kaum darüber etwas wissen, an das sie glauben, halten sie hartnäckig daran fest. Erinnern wir uns an die Aussagen von Jesus, der davon sprach, dass das Königreich Gottes nur in uns selbst zu finden ist. Nur daran zu glauben und darauf zu hoffen, lässt uns stagnieren. Wir haben es noch nicht für uns selbst erfahren, sondern schauen noch auf Etwas, auf ein inneres Bild, halten an einer Lehre fest oder an einem Menschen. Damit verbauen wir uns die Selbsterforschung und das Weitergehen in unserem eigenen Befreiungsprozess. Hierfür braucht es in den meisten Fällen eine gute Begleitung eines spirituellen Lehrers, der dich aus dem Glauben in das eigene und direkte Erleben begleitet. So wirst du Zeuge deiner eigenen Transformation, die sich durch alle Ebenen zieht. 

Mit der Loslösung und Transzendenz deiner Glaubensmuster löst sich natürlich auch deine Identität auf. Hier zeigt sich, dass das Festhalten deiner Identität, die dir so wichtig erschien, die essenzielle Blockade auf dem Weg deiner Befreiung ist. Deine Identität ist das Sammelbecken all deiner Glaubens- sowie Denkmuster. 

Jeder Lehrer, vor allem ein spiritueller und erwachter Lehrer, kann nur Hinweise geben, die dein Erkennen und Wahrnehmen deines Seins - den Gott in dir - inspirieren. Es sind Hinweise, die dich berühren, deine wahre Natur selbst zu entdecken. 

 

Herzlich Maria und Jörg

 

 

 

NEUES INTERVIEW - VIDEO IN JETZT-TV

 

Dieses Interview mit Maria und Jörg führte ANdy Hegewald im März 2017.

 

Maria und Jörg erläutern in diesem Interview sehr umfangreich ihre Arbeit im Einzelsatsang und in den Intensiv-Retreats. Es wird auch über Schatten und Befreiung gesprochen und die Vertiefung im Erwachensprozess.

 

Ein gemeinsamer Impuls von Maria & Jörg

 

Mach mit dem Text, was er mit dir macht. Hör auf zu lesen oder zerreiße ihn, fall in Wut oder fühl dich berührt. Ja und dann? Weißt du, wo du stehst und du machst wieder damit, was du willst. 

In Liebe an jeden. Maria und Jörg

 

 

 

 

 

Ist ein Aufwachen im Geist schon die Erleuchtung?

 

Die unterschiedlichen ernsthaften Formen der spirituellen Lehrer!

Erwachtes Sein, wie wach ist es wirklich?

 

Aufgrund vielfacher Anfragen zu diesen Thema und weil die Entwicklung der Spiri-Szene die Suchenden immer mehr verwirrt als sie berührt, kam bei uns der Impuls zu den folgenden Zeilen. 

 

Nach unserem damaligen Erwachen war für uns beide klar, dass die jeweilige Forschungsreise hier nicht endet. Jeder von uns verspürte in sich eine klare Ausrichtung, tiefer und weitergehen zu wollen. Unsere Begegnung sehen wir als absolute Gnade, dass wir uns gegenseitig begleiten und vertiefen dürfen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich zwei Lehrer voreinander zutiefst entblössen, um die restlichen Schatten aus den Zellen herauszureissen und ins Licht zu transzendieren. Durch diesen radikalen Prozess kommen wir hin und wieder ins Staunen, wenn wir sehen, wie in der heutigen Zeit leichtfertig das Wort „Erleuchtung“ benutzt wird, ohne genau zu wissen, was sie einfordert bis zu ihrer Realisation. 

 

Viele glauben, wenn sie erwacht sind, dass sie dann auch erleuchtet sind. Oder manche Lehrer sprechen darüber, dass jeder schon erleuchtet ist, weil wir alle das Sein sind. Ja, wir sind das Sein, aber haben sie es wirklich schon realisiert und verkörpert? Oder sind das einfach nur leere Worte und Konzepte, die der Verstand übernimmt, ohne dass sie in ihrer Tiefe erfasst und erfahren werden?

 

Mit dem Erleben des „Aufwachen“, also dem Lösen des Bewusstseins aus der Identifikation aus dem mentalen Traum, passiert sowohl Wunderbares als auch Lustiges. Hierzu darf man wissen, dass dabei nicht die vollständige Loslösung der Identifikation passiert. Es geschieht bei jedem unterschiedlich, aber es löst sich nur der größte Teil der Identifikation und das kann bei einem 51% und bei einem anderen 90% sein, um es in verständlichen Zahlen auszudrücken. Hier ist also noch weitere Prozessarbeit von Nöten.

Wenn man das weiß, wird man auch die folgenden Sätze verstehen.

 

Meistens landet der Mensch erst einmal in einer sogenannten „Bliss-Blase“. 

Es ist ein Zustand, in dem man aus dem Gewahrsein wie von Außen betrachtet, sich und die Welt als in Nebel gehüllte Traumblase erlebt.

Der Verstand erkennt einen höheren Zusammenhang und er gibt sich dem Höheren hin, um von nun an mehr oder weniger zu dienen. Gleichzeitig löst sich das Bewusstsein von der Identifikation, diese Person zu sein. Einige Zeit lang sind auch die Schatten im Energiekörper wie im Standbymodus, in dieser so genannten „Bliss-Blase". 

 

Wir kennen das natürlich aus einer anderen Ebene beim Verliebt sein. Völlig blind, wie durch eine rosa Wolke, betrachten wir den Beziehungspartner idealisiert. Die Schatten, Neurosen und Ängste sind auf Standbymodus geschaltet. Nun nach einigen Wochen gibt es einen Moment, der den Standbymodus plötzlich wieder auflöst und alle Schatten sind wieder aktiv. Wir verstehen die Welt nicht mehr, da der so wunderbare Partner auf einmal komplett anders erscheint, mit Eigenschaften, die uns gar nicht gefallen.

Hier kann der Prozess beginnen und einige möchten an der Beziehung arbeiten und andere trennen sich lieber und suchen nach einem neuen Verliebtsein. 

 

Zurück zu dem jungen wachen Zustand. Tja, einige davon wollen dann spirituelle Lehrer werden. Um diese Rolle auszufüllen, braucht es aber eine gewisse Reife des sich befreienden Seins. Diese Reife ist nicht an Monaten oder Jahren festzumachen, wie die alte Lehr-Traditionen zum Beispiel sieben Jahre vorsieht. Jeder startet mit einem anderen Befreiungsgrad und der eine geht weiter intensiv im Prozess und der andere glaubt, er sei fertig. Also braucht es eine individuelle Reife in seinem Bewusstheits-Zustand, um die Lehrer-Rolle auszufüllen. 

 

Der Befreiungsprozess hat mit einer radikalen Entlarvung des noch vorhandenen Egos zu tun. Bei vielen Erwachten ist es so, dass wenn sie nach ihrem Erwachen nicht weiterhin an ihren Mustern und Schatten bewusst arbeiten, d. h. sie integrieren und transzendieren, dass eine weitere und erneute Identifikation geschieht. Fühlt man sich dann auch noch frühzeitig dazu berufen, als Lehrer aufzutreten, dann ist es ziemlich klar, dass man sich leicht mit der neuen Lehrer-Rolle identifiziert.

Wie schnell legt sich eine neue Maske drauf, beispielsweise eine spirituelle und erleuchtete Maske und sie wird genauso stark geschützt und verteidigt, wie die vorigen.

 

2012 startete damals das Format „forum erleuchtung“, das als interaktives Forum entstand, um die aufkommende unreife Scheinheiligkeit der jungen Lehrer-Szene zu entzaubern. In Gesprächen der Lehrer untereinander und mit dem großen Publikum wurden die Lehrer im Ausdruck vom Publikum klar und intensiv gespiegelt. Ein unreifer „Lehrer“ hatte seine Unreife aus der bespiegelten Reaktion aus dem Publikum und den anderen Lehrern erleben „dürfen“.

Weil der größte Teil der Lehrer diese Spiegelung nicht mochte, endete dieses Format. Danach bildeten sich nur noch Satsang-Festivals und nun auch Online-Kongresse, die das Interagieren der Lehrer nicht mehr im Format haben. Sie erinnern an ganz normale weltliche Werbeformate wie Coaching-Kongresse, die wir alle aus der Traumwelt kennen.

 

Ist vor dem Erwachen nach dem Erwachen?

 

Vor dem Erwachen wissen wir, dass wir die Person nicht sind. Aber es ist nur ein Wissen, das noch das Erleben ausschließt. Der Erwachte weiß auch, dass er nicht die Person ist. Aber wie ist nun sein Erleben und sein Wirken? Hat er das Sein nur für sich erkannt oder hat er es zutiefst in sich realisiert? Bleibt die Wachheit nur im Geiste oder durchdringt sie auch den Körper? Dürfen auch die Körper- und Nervenzellen aus ihren Mustern und Schatten befreit werden oder müssen sie nach wie vor voller Angst, Kontrolle und Widerstand das kleine Ich verteidigen und schützen? Welcher erwachte Lehrer ist schon bereit, noch einmal sein Gesicht zu verlieren, diesmal aber als Erwachter? Inwiefern übt er sich in Demut, bis wirklich alle ich-haften Schatten ihre Erlösung gefunden haben und er sich komplett dem Sein frei und offen zur Verfügung stellen kann? 

 

Da eine Selbstreflexion in einem weiterführenden Prozess kaum oder gar nicht passiert, zeigt sich die scheinbare Erleuchteten-Szene heute folgendermassen:

 

Da sind die „Schausteller“, die den erwachten Zustand schon so lange gesucht haben und glauben, alles darüber zu „wissen“ und ihn jetzt einfach simulieren. Sie geben Satsang und versuchen in den vielen „Erleuchtungs-Kongressen" auch als „Lehrer“ mitzumachen. Diese lustige Form zerfällt nach einiger Zeit, da die Simulation dieses Zustandes leer und tot wirkt und sowie den Lehrer als auch die Suchenden nicht wirklich berührt.

 

Dann die größte Gruppe, die „Wartenden“. Diese sind zwar im Geist erwacht, aber da sie diesen Zustand als Ende und nicht als Anfang des eigentlichen Prozesses zur Erleuchtung betrachten können oder wollen, braucht der „Wartende“ den Suchenden ähnlich wie er ihn, nur auf einer anderen Ebene. 

Es stellt sich die Frage, ob der erwachte Lehrer bereit ist, seine bedürftigen Schatten zu erkennen, wenn er sich als werbend und suchend nach ebenfalls Suchenden erlebt? Wer braucht nun wen?

 

Sie sprechen von sich als „erleuchtet“ und können vor Blindheit gar nicht bewusst erkennen, dass sie noch eine Person sein müssen, die „erleuchtet“ sein soll. Auch drückt sich ihre Bedürftigkeit nach Anerkennung und Wertschätzung so lustig aus, dass manche sogar „Meister“ oder „Guru“ genannt werden möchten oder mit einem anderen Namen ihren Ausdruck erheben wollen. Der Erwachte, der doch gar nicht mehr als Person sein soll, möchte in gewisser Weise doch noch gesehen werden.

 

In keinen der inflationären Werbeplattformen wie Erleuchtungs-Kongresse und Satsang-Festivals darf der „Wartende“ fehlen, da das Geltungsbedürfnis sowie die existentielle Angst ihr Gehetzt-sein prägt. 

Die spirituellen Egos feiern sich gegenseitig und spielen Kuschelpartys und vermitteln das Gefühl, „wir-haben-uns-alle-lieb“. Es ist ein wunderbares Schauspiel der Schatten, das sich unter einem „liebevollen Licht-Mantel der Erleuchtung“ vollzieht. Das ist klar, denn wo so viel Licht und Erleuchtung ist, tummelt sich natürlich auch die Dunkelheit der Schatten. Da uns Erwachten allen klar ist, dass es „keine Person“ gibt, können sich die Muster und Schatten nach wie vor wild austoben - wen kümmert’s?

Wenn dann doch manchmal schattenhafte Muster durchbrechen und sich ausdrücken, dann werden sie verleugnet, denn da ist ja „niemand“ oder sie werden gerechtfertigt mit „alles darf sein“. 

 

All das zeigt, dass noch genügend unbefreite Muster als Schatten wirken.

Ihre eigenen aufsteigenden Schatten erkennen diese „Wartenden“ nicht an und daher werden diese einfach auf andere oder auf Schüler projiziert. „Nein der ist wütend, ich bin ja befreit und dann kann keine Wut mehr da sein“;-). 

 

Gott hat es in dem Prozess der Befreiung so wunderbar angelegt, dass die Falle des „sich-lächerlich-machen“ überall lauert und wenn wir glauben, jemals fertig zu sein oder erleuchtet zu sein, schnappt sie zu.

 

Tja, das ist mit der Reife zum Lehrer sein gemeint. Bevor die Schatten der Bedürftigkeit nicht ein bestimmtes Maß an Erlösung erfahren haben, kann der bedürftige Lehrer den Schüler nicht genug wahrnehmen, ohne seine bedürftige Einfärbung mitzuspiegeln.

 

Die dritte und wohl einzig ernsthafte Gruppe sind die, die “zur Verfügung stehen". Diese Lehrer haben nach dem Erwachen erkannt, dass dies nur die Voraussetzung zum eigentlichen Prozess war. Sie erkannten, dass mit dem Erwachen sich nun die Möglichkeit langsam aufbaut, die Schatten aus dem als „Körper“ manifestierten Bewusstsein beim Aufsteigen zu beobachten. Ja, sie erkennen, dass sie noch nicht fertig sind und dass es auch kein Fertig gibt. Sie stehen für den eigenen Prozess und für Schüler, die sich befreien wollen, "zur Verfügung“. Und ja, sie erforschen weiterhin, wenn eigene Schatten aufsteigen und sich in Bedürftigkeit ausdrücken wollen, dass sie in der stillen Betrachtung aus dem Gewahrsein integriert, also aufgelöst werden. 

Diese Lehrer wirken weniger mit ihren restlichen Bedürftigkeit als Spiri-Entertainer, sondern damit, dass sie mit dem Suchenden an seinem Prozess arbeiten. Sie stehen mit ihrer Präsenz zur Verfügung, um ihm seinen inneren Lehrer zu spiegeln. Im Prozess des Auflösens wird für den Schüler immer mehr sichtbar und erlebbar, dass das Königreich Gottes in ihm ist. Dass Liebe, Frieden und Glückseligkeit immer schon da waren.

 

Wir erwähnen hier nur die, die in die Rolle des Lehrers geschlüpft sind. Es gibt noch viele, die einfach weiter ihren Job machen und nicht ihren neuen wachen Zustand präsentieren. Sie wirken in ihrem neuen Zustand nicht öffentlich in die Welt und daher kann man deren Bedürfnisausdrücke wie bei den „Lehrern“ auch weniger sehen.

 

Aber keine Angst, man kann - da es kein Richtig oder Falsch gibt - nicht an den falschen Lehrer geraten. Je nachdem, in welcher Ebene im Prozess man einem Lehrer begegnet, spiegelt er einem die Ebene wider. Es ist wie beim Beziehungspartner. Er ist nie der Falsche, auch wenn das manchmal so aussieht.

So dient diese Beschreibung auch nicht dafür, um ein richtiges Erwachen oder falsche Erleuchtung zu interpretieren. Wenn überhaupt, kann dieser Text nur Impulse setzen und vielleicht für den einen oder anderen ein bisschen Licht in die Dunkelheit der Neo-Erleuchtungs-Szene bringen. Alles ist gut, wie es ist, denn alles ist letztlich der Ausdruck Gottes. Nicht jeder Erwachte soll Lehrer sein und nicht jeder Erwachte soll zur Erleuchtung gelangen und auch nicht jeder Mensch wird in diesem Leben erwachen. 

 

Wer glaubt, Erleuchtung sei gleichzusetzen mit Erwachen, der kann unmöglich erleuchtet sein. Erleuchtung heißt lateinisch: Illuminari - erhellen. Diese Übersetzung trifft es sehr gut. Denn es geht nicht um einen „Lichtschalter“ den man in einem Moment einschaltet, sondern um einen Prozess des sich Erhellens. Es braucht das Heilen aller Schatten und Bedürftigkeiten im geistigen und verkörperten Bewusstsein. Erwachen bietet mehr oder weniger die Grundlage für eine tiefere Befreiung und Realisierung des permanenten Seins-Zustandes. Wenn das passiert, ist der Teil des gesamten Bewusstsein, der sich als Du ausgedrückt hat, transzendiert und erleuchtet. Die Bedürftigkeit, dies benennen zu wollen, ist dann geheilt.

 

Herzlichst Maria & Jörg

 

 

 

 

Nachtrag

 

Eine spirituelle oder "Erwachten-Szene" ist schon in der Entstehung eine Komödie. Organisieren kann man nur, wenn ähnlich verwickelte Realitäten, also Bedürftigkeiten zugrunde liegen. Eine wahrhaft säkulare Spiritualität ist nicht auf Theorien oder Benennungen anderer, sondern ausschließlich auf das direkte Erfahren sowie Beobachten im eigenen Prozess ausgerichtet. Wenn wir nicht jeden Wunsch nach unserer harmonie-wollenden Bedürftigkeit im Keim betrachten und in ihrer stillen Betrachtung erlösen, zieht die Welt uns mit allen Wünschen wieder in ihren verwickelnden Bann. 

Selbst das gemeinsame Debattieren darüber, zieht uns in 99 aller Fällen vom Prozess der Selbsterforschung weg und hin zum scheinbar sicheren sowie bequemen Äußern über Befindlichkeiten und Interpretationen. 

Also, so ein Artikel kann daher mit seiner essentiellen Kraft nur berühren oder erkennen lassen und es geht dabei so gar nicht um das Verstehen dieser Worte. 

Dies unterscheidet ein debattierendes Forum von einer Begleitung eines Schülers vom Lehrer sehr klar. Hier wird nicht debattiert, sondern alles, was im Schüler hochkommt, bedingungslos vom Lehrer gespiegelt. Im besten Fall wird das Gespiegelte dann vom Schüler in der Präsenz des Lehrers als Illusion erkannt und damit erlöst. Wer eine intensiv kontinuierliche Begleitung erlebte, ist sich dessen bewusst. 

 

 

 

 

 

Der gemeinsame Seins-Ausdruck von Maria und Jörg

 

Wir beide erlebten vor unserer Begegnung, wie unser erwachtes Sein im Einzelprozess reifen konnte. Mit dem Moment unserer Begegnung startete dann ein göttlich radikaler Prozess, der uns klar aufzeigte, worum es hier geht: dass zwei Seins-Ausdrücke in ein verkörpertes Einheitsbewusstsein transzendieren.

 

Jeder Mensch hat in sich das Grundbedürfnis, sich individuell ausdrücken zu wollen. Selbst nach dem Erwachen bleibt ein individueller Ausdruck, der sich auch in der Beziehung zum Sein widerspiegelt. Dementsprechend ist das gesamte Festhalten der Welt, der Widerstand und die Existenzangst darin enthalten. Das ist Mensch-sein. Sowohl vor dem Erwachen als auch danach scheint es unvorstellbar zu sein, das alles loszulassen. Es ist das Sterben und die Transzendenz des individuellen Menschseins. 

 

Uns war bewusst, dass wir jetzt ALLES zur Disposition stellen wollen, kompromisslos. Der individuelle Ausdruck und damit auch die noch scheinbare Trennung als einzel erwachtes Wesen durfte in die Hingabe des verkörperten Eins-Seins fallen und transzendieren. Es zeigte sich, dass wir aus zwei gegensätzlichen Schattenprägungen aneinanderfliessend die Befreiung erfahren haben in hunderten von sogenannten "Dunklen Nacht der Seele".

Es ist kaum möglich, zu beschreiben, wie wir noch einmal in die dunkelsten Tiefen der Schatten gingen und mit Dimensionen konfrontiert wurden, die wir zuvor zwar schon erahnten, die aber erst beim Betreten und Durchgehen ihr gesamtes Spektrum zeigten. Um so mehr eröffnet sich dann aber auch das Tor zur völlig realisierten Befreiung.

 

Uns ist dadurch vollkommen bewusst geworden, dass sich ein geistig Erwachter nicht vorstellen kann, was in den tiefen Ebenen, wenn er sie noch nicht betreten hat, für ein Ausmaß an Schattenerlösung auf ihn warten kann.

 

Ein weiterer Shift findet in unserem Bewusstsein statt, den wir in den letzten Phasen der Befreiung immer mehr beobachten: wir begegnen in den tiefen Ebenen noch Schattenresten, aber diese werden nicht mehr wie bisher, in uns selbst integriert und transzendiert, sondern in unserem gemeinsamen Einssein. Dieses Geschehen ist eine unfassbare Gnade, wofür wir sehr dankbar sind. Aus zwei Herzen wird ein Herz.

 

Aus diesem Prozess heraus zeigte sich uns die natürliche Konsequenz, dass wir hier auf dieser Webseite, sowie in Satsangs und Retreats im gemeinsamen Seins-Ausdruck wirken.

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